Eine "sarkastische WG-Komödie" über eine Kommune im Jahr 1975? Der Film der Erwartungen ist bereits gelaufen, bevor man die Bilder von einer WG-Küchendiskussion mit langen Haaren, Bärten und Selbstgestricktem sieht.

Der Zeitpunkt für diesen Kinofilm könnte besser kaum sein, auch wenn Zusammen ein schwedischer Film ist und die Kommunarden eben nicht in Berlin oder in Frankfurt, sondern in Stockholm leben. Kann hier nicht die aktuelle Debatte um "68 und die Folgen" mit dem erleichternden Augenzwinkern endlich für alle befriedigend erledigt werden?

Der Alltag im Stockholmer Kollektiv Zusammen beginnt für uns mit einem Streit um eine Ordnung, der man sich - "Spülen ist bourgeois!" - eigentlich entziehen wollte, denn "Anna spült nicht". Weil Anna (Jessica Liedberg) außerdem nichts als einen Pullover trägt - "Ich habe eine Pilzinfektion" - und ihr Exfreund Lasse (Ola Norell) damit Probleme hat - "Ich kann nicht diskutieren, wenn ich deinen Busch vor der Nase hab!" -, wächst sich die Geschirrfrage zur bockigen Freiheitskontroverse aus, an deren Ende auch Lasse einfach die Hose fallen lässt. Genau in diesem Moment betreten mit Elisabeth (Lisa Lindgren) und ihren Kindern Eva (Emma Samuelsson) und Stefan (Sam Kessel) die WG-Gäste aus dem bürgerlichen Lager die Küche. Ein präziser Gag aus der Gegenüberstellung zweier Welten.

Es dauert nicht lange, bis die Gegensätze klar sind: Die Hausfrau Elisabeth ist mit ihren Kindern vor ihrem cholerischen Ehemann Rolf (Michael Nyquist) aus der Hochhauswohnung geflüchtet und wird von ihrem Bruder Göran (Gustaf Hammarsten) in dessen Kommune aufgenommen. Auf dem Weg dahin singt Abba SOS.

Göran seinerseits ist der Inbegriff eines verständnisvollen, friedliebenden Hippies, der mit seiner Freundin Lena eine offene Beziehung probiert. Neben Anna, Lasse und deren nach der gleichnamigen Vietnamkrieg-Offensive benanntem Sohn Tet sind da auch noch der verbissene Kommunist Erik ("Wenn die Revolution kommt, werden wir ja sehen, wer hier lacht!"), der liebeskranke, schwule Klas und das fundamentalistische Ökopärchen Signe und Sigvard. Der zehnjährige Tet beschimpft den gleichaltrigen Stefan erst mal mit "Faschist", bis sie dann später friedlich "Folter unter Pinochet" spielen.

Obschon damit der Boden bereitet ist für eine fortwährende Belustigung über stereotype Eigenheiten "der Siebziger", lässt Zusammen diese Chance ungenutzt - stattdessen schlägt die Regie einen anderen Weg ein, um ein anderes Thema zu verhandeln, das sowohl in diese Zeit als auch über sie hinausführt und schon im Titel vorgegeben ist: Zusammen-Sein, was bedeutet das, und wie geht das? Alle Geschichten in und um die Kommune erzählen von (Liebes-)Beziehungen, von unterschiedlichen Entwürfen, vom Beginnen, Zerbrechen und von dem Wunsch, dass es irgendwie funktionieren soll. Und genau hier, zwischen dem Wunsch nach und dem Scheitern am Zusammensein, entwickelt Lukas Moodyssons erster Film nach dem Erfolg von Raus aus mål eine liebevolle Genauigkeit, die sowohl einer Denunziation als auch einer Mystifizierung der "wilden Siebziger" entgegensteht. Während sich Elisabeth, Stefan und Eva langsam einleben, verlassen andere die Kommune in Richtung Baader-Meinhof oder zur Kommune Mutter Erde. Was in einem bürgerlichen Scheidungsvertrag wohl "unüberbrückbare Differenzen" hieße, zeigt sich hier im Streit um Politik ("beim Volk sein" oder "meditieren und an der Uni verrotten") und die Erziehung: "Pippi Langstrumpf ist (keine) Kapitalistin".

Gleichzeitig können wir dabei zusehen, wie sich Eva unglücklich in den schüchternen Nachbarsjungen Frederik verliebt und wie ihr ständig betrunkener Vater Rolf allein in seiner Wohnung verzweifelt.