In der britischen Regierung schimpft man gern auf die privatisierte Eisenbahn - aber so weit wie Lord MacDonald of Tradeston, der Staatsminister für Transport, ist bisher niemand gegangen. Der Lord hat kurzerhand zum Boykott des Schienenbetreibers Virgin Rail aufgerufen, der seine Fahrscheine kürzlich um ein knappes Zehntel verteuerte. "Vielleicht ist man ja mit dem Flugzeug, Bus oder Auto sogar schneller", meinte MacDonald in einem Interview der BBC.

Weniger offen - aber wirksam - bekämpft die Regierung seit Monaten das Unternehmen Railtrack, das das gesamte britische Schienennetz verwaltet. Seit Oktober ist dessen Aktienkurs fast auf ein Drittel geschrumpft, und seit einer Woche schlittert er erneut in den Keller: Zwar hat die Regierung 1,5 Milliarden Pfund Nothilfe versprochen, aber dafür auch harte Zugeständnisse durchgesetzt. Railtrack darf nicht beim Bau der neuen Bahnlinie zum Kanaltunnel mitmachen, die Railtrack-Dividende wurde gestutzt, im Management muss künftig auch ein Verbrauchervertreter sitzen. Und ein Abgeordnetenkomitee sprach sich vergangene Woche für Railtracks Wiederverstaatlichung aus.