Das Dokudrama ist das filmische Pendant zur Romanbiografie, einer in den zwanziger Jahren beliebten - und damals auch schon heftig verachteten - Mischform aus Geschichtsschreibung und erfinderischer Einfühlung. Das Genre passt also zum bewegten Leben von Erika und Klaus Mann, der beiden flamboyanten ältesten Kinder Thomas Manns. Andrea Weiss und Wieland Speck haben ausgiebig recherchiert, bewegte und unbewegte Bilder der Epoche gesammelt, Zeitzeugen interviewt und ihren Film Escape to Life - Die Klaus und Erika Mann-Story mit Spielszenen aus den Romanen von Klaus bereichert, wobei nicht immer klar ist, was aus schon vorliegenden Verfilmungen wie Mephisto stammt und was eigens für die Dokumentation in Szene gesetzt wurde.

Diese methodische Verwaschenheit entspricht einer eher distanzlosen Haltung zu den Helden. Die beiden Mann-Kinder waren im Kampf gegen den Nationalsozialismus rastlos tätig, als Publizisten, Kabarettisten und Organisatoren. Dieses politische Engagement setzte den nicht minder eifrigen Einsatz fort, in dem die beiden Mann-Kinder als öffentliche Figuren vor 1933 zu Protagonisten eines neuen libertären Lebensstils geworden waren: Drogenkonsum und unkonventionelle Sexualität eingeschlossen. So wirkt ihr Leben viel heutiger als ihre epochale Umwelt. Da dem Verständnis hier so wenig Widerstand entgegensteht, wirkt der sympathische Film bei aller Buntheit überraschend langweilig. Denn das, wogegen die Mann-Kinder angingen - die bürgerliche Moral und den Nationalsozialismus -, ist nur noch ferne Erinnerung. Es ist, als würde man ein Heiligenleben nach dem Untergang der Hölle zeigen.