Ihrem Ventilpapst trauern sie bei den Bürkert Werken im schwäbischen Ingelfingen noch heute nach. Egal, was die Computer sagten, der erfahrene Regeltechniker hatte einfach im kleinen Finger, wie sich Flüssigkeiten in neu entwickelten Ventilen verhielten. Doch mit 65 hat er aufgehört - die Firma hätte ihn gern länger gehalten.

Der Jugendwahn in der deutschen Wirtschaft geht zu Ende. Ein Jahrzehnt lang haben die Personalchefs möglichst jeden über 55 in die Frührente geschickt.

Auf einmal entdecken sie die Alten wieder.

Die Supermarktkette Netto unterhält in Berlin-Friedrichsfelde eine Filiale, die niemanden unter 45 Jahren beschäftigt. Die Geschäftsleitung meint, dass ältere Arbeitnehmer den Laden besser im Griff haben als jüngere. Die Deutsche Bank feuert erfahrene Topleute, die im Zuge von Lean Management überflüssig werden, nicht mehr einfach mit einem golden handshake. Sie nutzt sie in einer eigens gegründeten Firma als Berater weiter und bietet deren Dienste auch externen Kunden an.

Drei Unternehmen aus drei Branchen. Sie sind der Konkurrenz in einem Punkt voraus: Sie haben begriffen, dass die Zukunft den Alten gehört. In zehn Jahren spätestens wird die deutsche Wirtschaft auf den Schultern der Oldies ruhen. Die zahlenstarken Jahrgänge, die jetzt im besten Alter sind, werden dann kurz vor der Rente stehen. Und es wachsen zu wenige Junge nach. Schon jetzt sind weniger Berufstätige unter 30 als über 50 Jahre alt, Tendenz weiter fallend (siehe Grafik). Es wird höchste Zeit, dass eine absurde Mode auf dem Arbeitsmarkt ein Ende findet: die immer frühere Verrentung der Alten.

Zurzeit sind nur noch 39 Prozent der arbeitsfähigen Männer und Frauen über 55 in Lohn und Brot.

Doch das Comeback der Alten beginnt nur zögernd. Erst wenige vorausschauende Chefs pflegen ihre älteren Mitarbeiter für ein langes Arbeitsleben fit zu machen. Immerhin, auch Gerhard Schröders Bündnis für Arbeit hat das Problem erkannt: "Die Bündnispartner werden einen Paradigmenwechsel weg von der vorzeitigen Ausgliederung Älterer aus dem Erwerbsleben einleiten. Besonderes Augenmerk wird auf die Beteiligung älterer Arbeitnehmer an der Weiterbildung gerichtet."