Die Ökosteuer folgt einer simplen Logik. Energie wird kostspieliger, Arbeit preiswerter - das ergibt weniger Treibhausgase und mehr Jobs. Längst belegen Studien, dass die Theorie auch in der Praxis funktioniert. Das eigentliche Problem der Ökosteuer lauert auf dem Weg zwischen Analyse und Anwendung. Das lässt sich seit Jahr und Tag in Brüssel beobachten, wo sich das real existierende Europa an der Idee einer unionsweiten Energiesteuer abarbeitet.

Nun wagt die schwedische Regierung, als Trägerin der EU-Präsidentschaft derzeit Herrin der Brüsseler Tagesordnung, einen neuen Versuch. Und siehe da: Plötzlich scheinen auch die größten Bedenkenträger aus Madrid, Athen und Dublin den Einstieg in eine allgemeine Energiebesteuerung zu erwägen. Doch der Schein vom Fortschritt trügt: In ihrer Verzweiflung über die ökologische Selbstblockade Europas schlagen die Schweden etwas vor, das auf eine schnöde Nullnummer hinausläuft.

Vor allem an einer Frage mühen sich die Schweden ab: Unter welchen Bedingungen dürfen Kohle, Gas, Öl und Strom per Steuer ein bisschen teurer werden - und unter welchen nicht? So soll "eine Steuerstruktur" geschaffen werden. Was die 15 nationalen Delegationen jedoch noch mehr interessiert, sind die vielen kleinen Ausnahmen von der Steuerregel.

Beim Steuersatz endet Europas Eintracht. "Darüber reden wir überhaupt nicht", räumen die schwedischen Verhandlungsführer ein. Nur unter dieser Bedingung nämlich sind die Gegner der Ökoabgabe gesprächsbereit. Die Spanier haben längst deutlich gemacht, welchen Steuersatz auf Kohle sie zunächst akzeptieren wollen: null Komma null - späterer Anstieg nicht ausgeschlossen.

Weil die Experten obendrein vereinbart haben, kein Wort über einen Stichtag zur Einführung einer EU-weiten Energiebesteuerung zu verlieren, bleibt nur die Frage: Wozu all die Mühe hinter verschlossenen Türen? Die Sorgen ums Weltklima oder der Streit mit Washington um die Ziele von Kyoto sind es jedenfalls nicht, die Europa antreiben. Den Elan der 15 Regierungen hat ein anderer freigesetzt: Mario Monti, Europas Kommissar für Wettbewerbspolitik.

Er droht zu prüfen, ob die diversen nationalen Ökosteuern mit ihren Befreiungen mit EU-Recht vereinbar sind. Da sind Aluhütten ausgenommen, Tomatenzüchter erhalten Sondertarife - oder wie in Deutschland wird gar das produzierende Gewerbe freigestellt. Bevor also Montis Kontrolleure die Gefälligkeiten nationaler Steuergesetze anprangern, definieren die 15 lieber gemeinsam eine europäische Bemessungsgrundlage samt einer langen Liste von Ausnahmen: Was da dann als EU-Recht drinsteht, kann national ja kein Unrecht mehr sein.

Auf diese Weise gerät die EU-Abgabe zum Mittel gegen zu viel Ökosteuer.