Der Katzenjammer ist fast schon Routine: Viele Anleger, die sich zur Hochphase der Spekulationsblase an jährliche Renditen von 20 oder 30 Prozent für ihre Aktien gewöhnt hatten, haben das Fürchten gelernt. Der Neue-Markt-Index Nemax notiert Ende März um 82 Prozent unter seinem Vorjahresstand

der Nasdaq ist um 65 Prozent abgestürzt. Auch die Standardtitel können sich schon lange nicht mehr dem Abwärtssog entziehen.

Das Minus der vergangenen zwölf Monate beträgt beim Dax fast 25 Prozent, beim Dow Jones 14 Prozent. Doch der Absturz findet nicht mit einem spektakulären Paukenschlag statt wie beim großen Börsenkrach 1929 oder im Jahr 1987.

Stattdessen gibt es den Crash auf Raten. Wie tief ist die Krise wirklich?

Im Laufe der vergangenen zwölf Monate hat der Aktienindex für die 18 wichtigsten Märkte der Welt, der Morgan Stanley Capital Welt-Index (MSCI), 26,3 Prozent (auf Dollarbasis) an Wert verloren. Eine ähnlich dramatische Kapitalvernichtung hat seit 1920 nur viermal stattgefunden: während der ersten Ölkrise 1973/74, in der Weltwirtschaftskrise der späten zwanziger und frühen dreißiger Jahre, im März 1938 und in der großen Anpassungskrise nach dem Ende des Ersten Weltkriegs 1920/21. Als zum Beispiel nach dem ersten Ölpreisschock die Kurse an den Weltbörsen um fast die Hälfte sackten, herrschte das schiere Chaos. Zum ersten Mal in der Geschichte musste ein amerikanischer Präsident unter der Drohung des Amtsenthebungsverfahrens das Weiße Haus verlassen

das Bretton-Woods-System fester Wechselkurse war zusammengebrochen

die erste Ölkrise infolge des Jom-Kippur-Kriegs unterstrich die Abhängigkeit des Westens von der Opec. Real war der Verlust sogar noch größer als in der Großen Depression: ein Minus von 63 Prozent.