Die einbrechenden Aktienmärkte in Asien haben hohe Wellen geschlagen. Der Grund: Es waren nicht, wie fast schon gewohnt, schlechte Nachrichten aus den Unternehmen, die die Kurse nach unten trieben. Es war die nach Ansicht vieler Börsianer alarmierende diplomatische Unfähigkeit der Bush-Administration. Der Konflikt um das abgestürzte amerikanische Spionageflugzeug könnte Peking zu einem vollkommen irrationalen und überzogenen Handeln verleiten, vermuten die Börsianer. Das wäre eine Gefahr für den Fortschritt und Wohlstand in der Region.

Viele Regierungen und Unternehmen Asiens fürchten, die amerikanische Regierung unter Präsident George W. Bush wolle "China von nun an hart anpacken" - und zwar mit dem Ziel, die Beziehung zu Japan für die Durchsetzung politischer Interessen in Asien zu instrumentalisieren.

"Chrysanthemenclub" heißt die Gruppe innerhalb der US-Regierung, der diese Strategie nachgesagt wird.

Warum sich die Vereinigten Staaten zwischen Japan und China entscheiden müssen, ist den wenigsten Menschen in Asien eingängig. Im Interesse aller läge es, wenn die USA zu allen Führungsmächten dieser Region gute Beziehungen pflegen würden.

Präsident Bush aber will, so sehen es zumindest viele Asiaten, dem wiedererwachenden China erst einmal den Platz weisen - und zwar bevor das Land in der Region ein größeres Sagen beanspruchen könnte.

Dabei verfügen die Unternehmen der Vereinigten Staaten über genügend Wirtschaftskraft, um jedes Unternehmen in Asien kaufen zu können. Die US-Konzerne legen die Regeln für die meisten globalen Geschäfte fest. Und die asiatischen Vermögens- und Kapitalmärkte hängen weitgehend vom Kapital der riesigen US-amerikanischen Investmentgesellschaften ab.

Wenn China also testen will, wie weit die Dominanz der Vereinigten Staaten reicht, so geschieht dies auch im Namen vieler kleiner asiatischer Staaten, die sich lieber nicht mit einer Großmacht anlegen. Schließlich es ist gerade erst drei Jahre her, dass der schlimmste wirtschaftliche Zusammenbruch der letzten Jahrzehnte Asien heimsuchte.