Wer von Hexenverfolgung, Ketzerei und Inquisition hört, denkt wohl ans Mittelalter oder an die nachfolgende Ära der Glaubenswirren. Doch wenngleich sich nach den Exzessen des Dreißigjährigen Krieges das Zeitalter der Autodafés und der Religionsverfolgungen dem Ende zuneigte, so konnte von echter religiöser Toleranz in Europa nur sehr eingeschränkt die Rede sein.

Bis weit in die Epoche der Aufklärung hinein stieß die Forderung nach Glaubensfreiheit bei kirchlichen und weltlichen Obrigkeiten oft auf taube Ohren. So ordnete der Erzbischof von Salzburg 1731 unter nichtigem Vorwand an, seine 17 000 protestantischen Untertanen außer Landes zu weisen. Fürstabt Honorius Roth von Schreckenstein ließ 1775 in der allgäuischen Reichsstadt Kempten Anna Schwegelin als Hexe hinrichten. Selbst in Frankreich, dem Kernland der kontinentalen Aufklärung, verurteilte eine blindwütige Justiz den fälschlicherweise des Mordes angeklagten Hugenotten Jean Calas aus Toulouse 1762 zum Tode. Voltaire prangerte diesen Fall in seinem berühmten Traité sur la tolérance als konfessionell motivierten Justizmord an. Und Denis Diderot hatte skandalöse Vorfälle wie diese vor Augen, als er 1765 in der Enzyklopädie dem Phänomen der Intoleranz ein eigenes Stichwort widmete und sie als die "wilde Leidenschaft" definierte, zu hassen und zu verfolgen, wer sich im Irrtum befinde.

Keineswegs besser standen die Dinge in der alten Eidgenossenschaft, die just in jenen Tagen zahlreiche Aufklärer aus ganz Europa als republikanisches Hirtenland und Wiege der Freiheit besangen. In dieser archaischen Föderation aus 13 voll berechtigten und einigen zugewandten Orten war ein konfessionalistischer Geist aus der Zeit der Glaubensspaltung lebendig geblieben. Seit den Tagen der Reformation wachten die Obrigkeiten über die Rechtgläubigkeit ihrer Untertanen. Der aufgeklärte Basler Ratsschreiber Isaak Iselin rühmte sich zwar, die Forderung nach Toleranz bereits lange vor Lessing erhoben zu haben. Doch die eidgenössischen Orte verfolgten Apostasie nach wie vor als Kapitalverbrechen. Jedenfalls fanden hier noch mitten im Aufklärungszeitalter zwei späte Ketzerprozesse statt: 1747 im katholischen Luzern und 1753 im reformierten Bern.

Wie so oft in der Geschichte menschlicher Grausamkeiten begann alles mit einer Denunziation. An Martini 1746 sucht der Wundarzt Fridolin Disler den Wolhuser Pfarrer Moritz Benninger kurz vor dem Gottesdienst auf, um ihm ein schlimmes Gerücht zu hinterbringen. Im nahe gelegenen Werthenstein sei eine geheime Zusammenkunft von Männern und Frauen im Gang, die lieber eine Andachtsstunde hielten, als die Messe zu besuchen - und dies an einem Feiertag.

Wer in einer deutschsprachigen Bibel liest, ist schon verdammt

Gleich nach dem Hochamt eilt der katholische Gottesdiener in Begleitung zweier Zeugen zum Sulzig-Hof des Jakob Schmidlin und überrascht eine kleine Gruppe einfacher Leute beim Lesen eines religiösen Lehrbuchs. Es handelt sich um das vom reformierten Pfarrherrn Samuel Lutz verfasste Erbauungsbüchlein Eine kleine, ja dennoch heilsame Seelenweide. Dem weit verbreiteten Katechismus des Jesuiten Petrus Canisius nachempfunden, formuliert es auf katholische Fragen pietistische Antworten. Pfarrer Benninger stellt die Anwesenden brüsk zur Rede. Diese antworten, dass sie sich um ihr Seelenheil sorgten. Gott und der Heilige Geist würden in privater Andacht weit mehr bewirken als in der Messe. Der Geistliche ist entsetzt über diese ketzerischen Ansichten. Untertänig meldet er seine Entdeckung der hohen Obrigkeit nach Luzern.

Aufgeschreckt setzen die "gnädigen Herren" der Stadtrepublik Luzern eine Untersuchungskommission ein. Wundarzt Disler, ein übler Menschenjäger, der vor Jahren selbst mit der Bewegung sympathisiert hatte, reicht immer neue Listen mit Namen "liederlicher Pietisten" ein. In Erwartung einer schönen Belohnung liefert er seine früheren Gesinnungsfreunde gleich reihenweise ans Messer. Eine wahre Verhaftungswelle bricht über die Hügellandschaft des Entlebuchs und die umliegenden Dörfer und Weiler herein. Es gibt Hausdurchsuchungen, zahlreiche Schriften werden konfisziert und über 100 Personen inhaftiert. Die Kerker und Türme der Stadt Luzern reichen nicht aus, sodass die Arretierten auch im alten Spital untergebracht werden müssen. Im Mittelpunkt des sich über acht Monate hinziehenden Monsterprozesses aber steht der als "Irrlehrer" angeklagte Kleinbauer Jakob Schmidlin, ein frommer Mann, dessen einziges Vergehen darin besteht, Gott auf seine eigene Weise anzubeten.

Geboren 1699 als Sohn armer katholischer Landleute, wurde Schmidlin von den Eltern früh als Ackerbub bei wohlhabenden Bauern verdingt. Eine Schule besuchte er nie. Lesen brachte er sich mühsam selber bei, schreiben konnte er zeitlebens nur notdürftig. Erwachsen geworden, verdiente er seinen Lebensunterhalt zunächst als Fassbinder und später als Fuhrknecht im Dienste des Klosterwirts. 1732 erwarb er den kleinen Sulzig-Hof. Da dieses Gütlein zu wenig abwarf, blieb er weiterhin auf einen Nebenverdienst als Fuhrknecht angewiesen.

Seine Fahrten führten ihn immer wieder in reformierte Gebiete: nach Basel, Bern und Zürich. Auf einer solchen lernte er durch den Heidelberger Katechismus die protestantische Lehre kennen. In seiner schwärmerischen Gottessuche kaufte er pietistische Schriften und verschlang sie mit Begeisterung. Bald schon besuchte er Pietisten im bernischen Emmental und begann kurz darauf, einen kleinen Kreis von Gleichgesinnten um sich zu scharen. Man betete gemeinsam und las die Bibel. Diese privaten Andachtsübungen stellten schwere Rechtsverstöße dar. Nur schon der Besitz und das Lesen "lutherischer Schriften" waren in Luzern strengstens untersagt. Im Einklang mit römischen Bestimmungen durften die Laien selbst die Heilige Schrift in der Muttersprache nur mit einer Sondererlaubnis des zuständigen Konstanzer Ortsbischofs lesen. "Wenn ein Vater seinen Kindern eine deutsche Bibel kauft", schärften etliche Priester den Gläubigen ein, "so ist es ebenso viel, als wenn er ihnen die wirkliche Hölle kaufe." Überdies gerieten geheime Zusammenkünfte nach dem blutig niedergeschlagenen Bauernaufstand von 1653 nur zu schnell unter den Verdacht, Verschwörungen gegen die gottgewollte Ordnung zu sein.

Die pietistischen Gottesdienste auf dem Sulzig-Hof blieben im Wallfahrtsort Werthenstein nicht verborgen, zumal sich in der Gegend ein schwungvoller Handel mit Bibeln und Erbauungsschriften entwickelte. Der bischöfliche Kommissarius erstattete im Sommer 1738 ein erstes Mal Anzeige, ohne dass die Obrigkeit allerdings tätig geworden wäre. Monate später, in der Fastenzeit 1739, predigte ein Franziskaner des Klosters Werthenstein vor versammeltem Kirchenvolk gegen die "Bibelfresser und Ketzer". Jakob Schmidlin wurde verhaftet. Doch die Obrigkeit schlug das Verfahren nieder - eine glückliche Wendung, welche die Luzerner Pietisten in ihren religiösen Überzeugungen bestärkte und unvorsichtig machte.

Predigend reiste der Bauernlehrer Schmidlin jetzt in den Dörfern der Umgebung umher und machte aus seinen Bibelstunden Erweckungsgottesdienste. Die Zahl seiner Anhänger wuchs. Auf dem Land um Luzern bildete sich ein weit verzweigtes Netz von kleinen Pietistengemeinden. Die barocke Prachtentfaltung der Kirche mit ihrer Heiligenverehrung und dem Reliquienkult stieß sie ab.

Wie im Pietismus allgemein, der sich als Erneuerung und Vollendung der Reformation begriff, stand im Zentrum ihres Verständnisses von Frömmigkeit die persönliche Beziehung zu Gott. Geschickt wahrten sie jedoch gegen außen den Anschein der Rechtgläubigkeit. Weiterhin besuchten sie die Messe, beichteten und nahmen an Prozessionen teil. Die Luzerner Pietisten gehörten zu den Stillen im Land und hätten kaum Aufsehen erregt, bilanziert der Schweizer Historiker Hans Wicki, wenn sie im November 1746 nicht vom Wundarzt Fridolin Disler, einem ehemaligen Gesinnungsfreund, verraten worden wären.

Und so glimpflich wie beim ersten Verfahren ging die Sache für die Denunzierten jetzt nicht mehr aus.

Nun schritten die Luzerner Ratsherren mit aller Härte ein und ließen an den "unverbesserlichen Ketzern" ein Exempel statuieren. Das Land sollte vom "angesteckten, höchst gefährlichen Volke" gesäubert werden. Für die Obrigkeit, die sich als von Gott eingesetzt ansah, standen die höchsten Güter auf dem Spiel. Wie in den übrigen Orten rund um den Vierwaldstätter See war der Katholizismus in der aristokratisch regierten Stadtrepublik Luzern Staatsreligion. Angriffe gegen den Glauben galten nicht bloß als heimtückische Anschläge auf die heilige Kirche, sondern auch als gefährliche Infragestellung der staatlichen Ordnung.

Schon nach den ersten Verhören bestätigte sich der Verdacht. Vier geistliche Gutachter - ein Jesuit, ein Franziskaner, ein Kapuziner und Leutpriester Gallus Anton Frener - kamen im Februar 1747 zum nämlichen Schluss: Hier lag ein schwerer Fall von Ketzerei vor, ein Malefizverbrechen. Es wurde Anklage erhoben. Jakob Schmidlin musste fünf zermürbende Verhöre über sich ergehen lassen. Einmal wurde er in der Examinierkammer schwer gefoltert, bis er seine "Verfehlungen" gestand. In barock ausladender Weise legte ihm die Anklageschrift Abfall vom katholischen Glauben, Einfuhr und Besitz glaubensfeindlicher Schriften, Verbreitung schädlicher Lehren, Abhaltung verbotener Zusammenkünfte, Briefwechsel mit Andersgläubigen, Teilnahme an reformierten Gottesdiensten, Gefährdung des Seelenheils von Katholiken und Verführung des Volkes zu Aufruhr und Rebellion zur Last.

Die große Zahl der Beschuldigten brachte das Gericht in arge Verlegenheit. Im Königreich Sardinien-Piemont ließ man anfragen, ob die Mitläufer in den sardischen Bergwerken für Schwerarbeit zu gebrauchen wären. Aus Kostengründen verwarfen die Luzerner Ratsherren diesen Plan wieder. Stattdessen entschieden sie sich dafür, den Hauptharst der "gefährlichen Ketzer" mit ewiger Landesverweisung zu bestrafen. Von den 90 Urteilen, die zwischen April und Juli 1747 ergingen, lauteten 73 auf ewige Verbannung aus der Eidgenossenschaft. Für den Fall einer Rückkehr in die Heimat wurde ihnen die Hinrichtung durch das Schwert angedroht. Vor dem Verlassen des Landes mussten die Verurteilten ihrem "Irrglauben" in der Hofkirche feierlich abschwören.

Zusätzlich zur Verbannung wurden drei Angeklagte zu sechs, zwölf und dreißig Jahren Galeere in französischen Diensten verurteilt, was verkappten Todesurteilen gleichkam. Zwei schwer erkrankte Männer wurden gnadenhalber mit lebenslänglicher Haft bestraft. Vier "Ketzer" hatten barfuß vor dem Rat zu erscheinen und öffentlich Abbitte zu leisten. Ein Ehepaar wurde auf 16 Jahre voneinander getrennt und ein 18 Monate altes Kind seinen Eltern weggenommen.

Mangels Beweisen sprach man vier Angeklagte frei.

Nach der Folter bricht Schmidlin zusammen und schwört ab

Der härteste Urteilsspruch erging gegen den "Haupträdelsführer" Jakob Schmidlin und seine Familie. Unter den ewig Verbannten befanden sich auch seine Ehefrau Elisabeth und die sieben Kinder im Alter zwischen einem und 22 Jahren. Zum ersten Mal seit 1608, als der reformierte Basler Kleinhändler Martin Duvoisin wegen unbedachter Äußerungen gegen katholische Glaubenswahrheiten enthauptet und verbrannt worden war, fällte die Luzerner Obrigkeit wieder ein Bluturteil gegen einen Ketzer. Es lautete auf öffentliche Hinrichtung durch Erwürgen und Verbrennen des Leichnams.

Nicht genug damit, ließ die hohe Obrigkeit nichts unversucht, um die Seele des Verurteilten zurückzugewinnen. Pfarrer Frener erhielt den Auftrag, den Todeskandidaten zum "einzig wahren" Glauben zu bekehren. Unter der Last unsäglicher Haftbedingungen, der Folter und der ihm in den grellsten Farben ausgemalten Höllenqualen brach Schmidlin schließlich physisch zusammen.

Eigenhändig verfasste er einen Widerruf, der ihm wohl von seinem geistlichen Beistand in die Feder diktiert worden war. Darin sagte er sich vom "ketzerischen Pietisten-Glauben" los.

Für seine Peiniger war das Eingeständnis wertvoller, dass, "außert der Catholisch-Römischen allein-selig-machenden und unfehlbaren Kirche, die niemal fehlen kann", kein anderer Glaube wahr und deshalb irgendeine Berechtigung habe. Nun blieb Schmidlin nur noch die Rolle des armen Sünders.

Zwei Tage vor seinem gewaltsamen Tod legte er vor 16 Zeugen in der Folterkammer des Turms am Rosengarten das Tridentinische Glaubensbekenntnis ab.

Am 27. Mai 1747 findet die öffentliche Hinrichtung statt. Eine unübersehbare Menge Schaulustiger hat sich - wie stets bei solchen Gelegenheiten - eingefunden. Es herrscht Volksfeststimmung. Zur Mittagsstunde wird der Urteilsspruch auf dem Weinmarkt verkündet. Schmidlin ist zu geschwächt, um den von ihm erpressten Widerruf selbst verlesen zu können. An seiner Stelle trägt ihn Leutpriester Frener vor. Der militärisch gesicherte Zug zur Hinrichtungsstätte, die außerhalb der Stadtmauern liegt, dauert gegen zwei Stunden. Die konfiszierten Schriften führt man auf einem Karren mit. Einen zweiten hält man für den Fall bereit, dass dem armen Sünder die Kräfte versagen würden. Auf seinem letzten Gang küsst Schmidlin unentwegt das Kruzifix und bereut seine Sünden. Endlich auf der Richtstätte angelangt, betet er ein letztes Mal. Dann bindet ihn der Henker an einen Pfahl, legt ihm einen Strick um den entblößten Hals und erwürgt ihn. Um das grausige Schauspiel in allen Einzelheiten verfolgen zu können, sind zahlreiche Gaffer auf Bäume des angrenzenden Waldes geklettert.

Nach getaner Arbeit schleifen der Henker und seine Gehilfen den Leichnam zum Scheiterhaufen, wo bereits die verbotenen Bücher aufgeschichtet liegen, werfen den Toten darauf und entzünden das Ganze. Zum Schluss streut man die Asche des Hingerichteten in ein nahes Flüsschen. Keine Spuren sollen an den Häretiker erinnern. Das staatlich inszenierte Reinigungsritual macht selbst vor dem Sulzig-Hof nicht Halt. Auf obrigkeitliche Anordnung hin wird er eingeäschert und über der Brandstätte eine Schandsäule aus Stein errichtet.

Sie trägt die gemeißelte Inschrift "wegen verbottenen Zusammenkünfte und Ketzerischen Lehren". Drei Wochen nach der Exekution erneuert der Rat das Kauf-, Verkaufs- und Leseverbot für die Bibel. Erst 1757 - zehn Jahre nach den Ereignissen - erlaubt Papst Benedikt XIV. auch den Laien das Lesen kirchlich genehmigter Bibelübersetzungen in deutscher Sprache.

Gegen die grausame Machtdemonstration der Obrigkeit erhebt sich kein Protest.

Im Gegenteil. Sie erfolgt mit ausdrücklicher Billigung des Konstanzer Bischofs. In einem lateinisch abgefassten Hirtenbrief an seine geistlichen Mitbrüder bezeichnet er die Anhänger des Bauernlehrers als "verrufene Sendlinge der Hölle". Ihre ketzerischen Ansichten seien seit langem und erst vor kurzem noch durch das Konzil von Trient (1545 bis 1563) verdammt worden.

Der heilige Franz Xaver hilft im Kampf gegen die Häresie

Als Dank für ihr hartes Durchgreifen schenkt das Chorherrenstift St. Leodegar der Regierung ein silbernes Bildnis des Stadtpatrons. Es wird in feierlicher Prozession in die Hofkirche überführt. Ganz im Stil des "langen Mittelalters", wie der französische Historiker Jacques Le Goff es einmal genannt hat, danken die "gnädigen Herren" und ihre lieben Untertanen dem heiligen Franz Xaver für dessen Fürsprache bei Gott, der die Obrigkeit in ihrem schweren Kampf gegen die Häresie erleuchtet und so sicher angeleitet habe. Rückblickend auf die Ereignisse, schreibt Pfarrer Frener 1775: "Es hat der göttlichen Güte gefallen, noch bei Zeiten das in den Acker des Herrn eingedrungene Unkraut zu vertilgen."

Der letzte Luzerner Ketzerprozess bildete in der alten Eidgenossenschaft keinen Einzelfall. Im reformierten Bern ereilte den Sektenprediger Hieronymus Kohler 1753 das gleiche Schicksal wie Jakob Schmidlin. Der Kleine Rat der calvinistischen Republik Genf ließ 1762 die Schriften ihres Bürgers Jean-Jacques Rousseau, darunter den Gesellschaftsvertrag, öffentlich durch den Henker verbrennen. Und noch 1782 wurde die Dienstmagd Anna Göldin in Glarus - nach einem grotesken Prozess - als Hexe hingerichtet.

Erst die Helvetische Republik, Ergebnis der Französischen Revolution, beendete den Spuk und brachte 1798 zumindest den christlichen Bürgern des Landes die Glaubens- und Gewissensfreiheit. Die Schweizer Schwesterrepublik der französischen war es auch, die Jakob Schmidlin und seine Mitverurteilten rehabilitierte - auf Gesuch eines seiner Söhne, der seiner Mutter in die Zwangsemigration hatte folgen müssen. Die helvetischen Behörden hoben 1799 nicht nur alle früheren Strafurteile wegen religiöser Vergehen auf, sondern erlaubten den Verbannten von 1747 auch die Rückkehr in die Heimat. Für die meisten freilich kam diese Revision um ein Leben zu spät.

Der Autor lehrt Neuere Geschichte an der Universität Luzern