London

In linken Zirkeln Großbritanniens hegt man für die "törichte Sophie", die sich seit ihrer Heirat mit Prinz Edward gerne als Herzogin von Wessex titulieren lässt, ausgesprochen warme Gefühle. Sophie mag geschwätzig und eingebildet sein

sie mag ihre Verbindung mit dem Windsor-Clan schamlos eingesetzt haben, um ihrer PR-Gesellschaft den lukrativen Auftrag eines angeblichen Scheichs (der in Wahrheit ein journalistischer Trickser war) zu verschaffen. Doch britische Antiroyalisten sind nicht wählerisch. Schließlich ist es Sophie zu verdanken, dass nun auf einmal jene Stimmen Gehör finden, die lange vergeblich versucht hatten, dem Inselvolk die Monarchie madig zu machen. Die Leib-und-Magen-Blätter des linksliberalen Bürgertums wie Observer und Guardian haben seit Monaten endlose Tiraden zugunsten einer britischen Republik abgesondert: Die Monarchie sei verstaubt, abgetakelt, ein reaktionäres Relikt, das wahre Demokratie verhindere.

Die Antiroyalisten wittern ihre Chance. Selbst die populistische Rechte in Gestalt von Rupert Murdochs Massenblatt Sun wendet sich dank "Sophiegate" gegen die Monarchie. Doch es sei die Prognose gewagt, dass diese Debatte bald verpuffen wird. Die Krone hat durch Reformen von oben viele Stürme überstanden und ihre Gegner verbittert zurückgelassen. Enttäuscht sind sie vor allem über die Apathie der Massen, die sich einfach nicht erkenntlich zeigen für die Anstrengungen der bürgerlich-intellektuellen Vorhut. Wie kann man die Royals samt Pomp, Prunk und Ritualen ernst nehmen und den Ruf nach klaren, rationalen und demokratischen Verhältnissen nicht begeistert aufgreifen? Hier verraten die Befürworter der Republik Britannien jenen Mangel an Verständnis, der schon den Sozialisten George Orwell zu einer bissigen Bemerkung veranlasste. "Die Energien, die die Welt formen", schrieb Orwell während des Zweiten Weltkrieges, "nationaler Stolz, religiöser Glaube und Verehrung für Führungsfiguren, entspringen Emotionen, die von liberalen Intellektuellen stets als Anachronismen abgetan werden und die sie selbst in sich vollständig zerstört haben ..."

Monarchien halten sich, wie Befürworter der Republik vorwurfsvoll anmerken, aus Gründen der Gewohnheit. Doch genau das ist der Punkt. Gewohnheit ist Teil der Stabilität, nach der die meisten Menschen verlangen

Veränderungen lassen sich so leichter ertragen. Britische Reformpremiers, von Gladstone über Clement Attlee, Harold Wilson bis zu Tony Blair, haben das begriffen. Symbole historisch fundierter Legitimität sind umso nützlicher, je tiefer Reformen greifen. Blair hat die antimonarchischen Tendenzen in seiner Partei deshalb gezügelt und sich mit den Windsors arrangiert. Angesichts der Umkrempelung der politischen Strukturen des Inselreiches ist die integrierende Funktion eines "britischen" Monarchen als Bindeglied zwischen den verschiedenen Stämmen der Insel eher noch wichtiger geworden.

Die Gegner der Monarchie klammern sich mangels populärer Resonanz an die Hoffnung, wenigstens die historische Logik auf ihrer Seite zu wissen. Doch selbst das ist fraglich