die zeit: Sehen Sie Möglichkeiten, das so strittige Problem der "groben Fahrlässigkeit" zu lösen?

Hubert van Bühren: Die Arbeitsgemeinschaft Versicherungsrecht im Deutschen Anwaltverein plädiert dafür, dass grundsätzlich alle Fahrfehler mitversichert werden. Je nach dem Maß des Verschuldens kann die Erstattung der Versicherung gesenkt werden. Oder es wird eine höhere Selbstbeteiligung vereinbart. Diese Regelung sollte jedoch nicht bei Alkohol am Steuer gelten.

zeit: Wie reagieren die Versicherer auf diese Vorschläge?

Van Bühren: Einige Unternehmen haben inzwischen ihre Versicherungsbedingungen in diesem Sinne erweitert - teilweise ohne Erhöhung der Prämien. Wer eine Vollkaskoversicherung abschließen möchte, sollte deshalb die entsprechenden Bedingungen vorher sorgfältig prüfen. Die Axa Colonia und die Kravag beispielsweise haben unsere Anregungen aufgegriffen und verzichten auf den Einwand der groben Fahrlässigkeit, außer bei Trunkenheit und grob fahrlässiger Ermöglichung des Fahrzeugdiebstahls. Der Deutsche Herold gewährt ebenfalls Versicherungsschutz bei grober Fahrlässigkeit, behält sich jedoch vor, die Leistung entsprechend dem Grad des Verschuldens zu kürzen.

zeit: Macht es Sinn, eine Vollkaskoversicherung mit Selbstbeteiligung abzuschließen?

Van Bühren: Das ist zumindest bei höherwertigen Fahrzeugen eine Alternative.

Die Versicherung soll ja in erster Linie den äußersten Ernstfall abdecken.