die zeit: Die Diskussion über den Zustand des deutschen Fernsehfilms will nicht abreißen. Bei der letzten Grimme-Preis-Verleihung häuften sich die Klagen der Preisträger über die Politik der öffentlich-rechtlichen Sender, etwa über die späten Sendezeiten. Wie beurteilen Sie die Lage?

Dominik Graf: Die Lage ist doch zumindest sehr interessant. Die gelungenen deutschen Fernsehfilme erscheinen mir auf höherem Niveau als das Gros des deutschen Kinos. Nehmen Sie in den letzten drei Monaten allein die TV- Filme von Max Färberböck, Torsten Fischer, Andreas Dresen und so weiter. Und auch die besten deutschen Kinofilme sind billige Filme, die zumeist vom Fernsehen - Das kleine Fernsehspiel zum Beispiel - finanziert werden. Andererseits haben ARD und ZDF in den vergangenen Jahren eiserne Programmleisten errichtet. Das Problem beginnt wohl bei der Unterscheidung dessen, was man sich an besonderen Filmen gewissermaßen ehrenvoll leisten will, und dem, was man dann andererseits für leichte Unterhaltung hält.

zeit: Und das ist es ja leider, was man beim Zappen wochentags abends um halb neun bei den Öffentlich-Rechtlichen so sieht: Rosamunde Pilcher und das Traumschiff.

Graf: Nicht nur. Die oben erwähnten Ausnahmen sind recht zahlreich. Aber sie laufen sozusagen unter Artenschutz, obwohl sie oft gute Quoten haben, und zur Erhaltung der selteneren Arten sind gute Quoten ja auch lebenswichtig.

Zweifellos ist dann aber das, was wirklich Mainstream sein will, oft ziemlich schlechter Mainstream, das finde ich auch. Thriller, Komödien, Schnulzen kommen als Genrefilme gewissermaßen selten von Herzen, sondern sie sind zumeist langweiliges, seelenloses Kalkül. Aber das war ja schon immer ein deutsches Problem, dass diese Schubladenbereiche E und U sich oft nur sehr ungelenk vermischen.

zeit: Gewissermaßen am anderen Ende des Spektrums hat man sich in den letzten Jahren an einer Reihe von großen Literaturverfilmungen versucht, die Rättin, die Klemperer-Tagebücher und die Jahrestage ...

Graf: ... die sind jetzt noch E-iger, als sie eh schon immer waren ...