Es gibt kein Recht auf Faulheit. Der Kanzler hat gesprochen, und dass Gerhard Schröder mit diesem Satz auf Arbeitslose zielt, die angebotene Stellen ablehnen, beeindruckt einen Wirtschaftsliberalen wie Guido Westerwelle so sehr, wie es manchen Sozialpolitiker in der SPD verschreckt.

Ein wiederkehrendes Thema ist freigegeben zum öffentlichen Disput, in dem sich jedoch die alten Fronten verschoben haben.

Dass einige Wortführer der Arbeitgeberverbände sich gefielen, gegen Arbeitsunwillige zu stänkern und das Kampfwort vom Drückeberger im Munde zu führen, das war man gewohnt. Auch dass Gewerkschaftsbosse nichts von dieser Kritik hören wollten. Doch nun: Neue Mitte, neue Allianzen. Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) nimmt Schröders Vorlage dankbar auf, um verschärfte Strafen für arbeitsunwillige Arbeitslose zu fordern.

Auch Sozialdemokraten mahnen eine härtere Gangart an, seit offenkundig ist, dass vor allem Dienstleister, ob Hotels, Gaststätte oder Speditionen, für einfache Tätigkeiten keine Leute mehr finden und notgedrungen mit hohem bürokratischem Aufwand Ausländer holen oder halten müssen. Keine Computerspezialisten aus Indien, sondern Aushilfskellner aus Polen. Trotz 3,8 Millionen gemeldeter Arbeitsloser in Deutschland.

Seit mehreren Wochen wird im Bundesministerium für Arbeit über eine Veränderung des Arbeitsförderungsrechts diskutiert. Zuckerbrot und Peitsche, lautet die neue Devise: mehr Hilfe bei der Jobsuche, zugleich schärfere Sanktionen für jene Arbeitslose, die keine Hilfe wollen - und keinen Job.

Im Januar bereits machte ein Gewerkschafter mit einer ungewohnten Bemerkung auf sich aufmerksam: Roland Issen, Chef der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft, regte an, in den Gesprächen über das Bündnis für Arbeit auch danach zu fragen, wie sich Arbeitslose schneller dazu bewegen ließen, eine Stelle anzutreten.

Angenommen, der Kanzler ist nicht bloß in den vorgezogenen Wahlkampf gezogen