Halberstadts Charakter.

Ein kleiner Schritt für Deutschland, ein großer für Halberstadt: Als erste deutsche Kommune hat die Stadt am Harz 14 osteuropäischen Zwangsarbeitern eine Entschädigung von jeweils 4000 Mark gezahlt. Acht der Empfänger aus Polen, Russland, Weißrussland, Lettland und der Ukraine waren selbst nach Halberstadt gekommen. "Unrecht und geschichtliche Verstrickung können wir mit Geld nicht aufheben", sagte ihnen Oberbürgermeister Hans-Georg Busch (SPD), "aber wir können deutlich machen, dass wir zu unserer geschichtlichen Verantwortung stehen." Halberstadt hat für den deutschen Weltkrieg schwer gebüßt. Am 8. April 1945 zerbombt, verlor es 2000 Menschen und Teile seiner wunderbaren Altstadt. Gerade deshalb hat man nicht vergessen, von wo das Morden ausgegangen war. Die Entschädigung - erbracht aus dem städtischen Haushalt durch eine Mark pro Einwohner und durch private Spenden - soll als Symbol verstanden sein. Wenn endlich die Bundesstiftung für Zwangsarbeiter zustande kommt, will sich Halberstadt auch daran beteiligen.

Wiener Gedenken.

Manche politische Peinlichkeit bleibt hinter größeren Ereignissen verborgen - wie jetzt in Wien. Da ging im allgemeinen Staunen über das Fiasko für Haider und die rechtsnationale FPÖ bei der Landtagswahl beinahe der Streit um den österreichischen Holocaust-Gedenktag unter. Bei der feierlichen Gedenkveranstaltung, die seit vier Jahren zum Jahrestag der Befreiung des KZ Mauthausen (5. Mai 1945) im historischen Reichsratssaal des Parlaments in Wien stattfindet, wollte diesmal auch die FPÖ einen Redner entsenden. Sie berief sich darauf, dass sie derzeit den Präsidenten des Bundesrates stellt in den Vorjahren hatten die jeweiligen Chefs der in Österreich beutungslosen Länderkammer nicht das Wort ergriffen. Nicht zuletzt wegen ihrer fremdenfeindlichen Kampagne und der antisemitischen Äußerungen Haiders im Wiener Wahlkampf lehnte der sozialdemokratische Parlamentspräsident Fischer dieses Ansinnen der FPÖ denn auch ab. Er selbst war als einziger Redner vorgesehen, bot jedoch an, dass an seiner Stelle der Bundespräsident, Thomas Klestil (ÖVP), spricht. Davon wollten wiederum ÖVP und FPÖ nichts wissen.

Dann eben kein Gedenken, ätsch! Diesen schnöden Triumph aber wollten die beiden ersten Männer im Staat den Scharfmachern der Rechtskoalition nicht lassen: Kurzerhand überließ Fischer Klestil die Gastgeberrolle. Nun lädt der Präsident am 4. Mai in die Hofburg, wo er die Gedenkrede hält.

Schadensbegrenzung auf Wiener Art.