Der vernünftigste von allen Dichtern, Robert Musil, hat einmal ein Wunder beschrieben. Dem Dramatiker Shakespeare sei es gelungen, eine Welt zu erschaffen aus nichts als Luft. Seine Figuren, so Musil, entstünden aus einer barocken Suada, "die nicht aus dem Munde wirklicher Menschen kommt, sondern gar nichts braucht, in der Luft entsteht, da ist, wächst ... und auf einmal unter sich Menschen ansetzt".

Ähnliches lässt sich von unserem großen Gegenwartsdramatiker sagen. Wenn Botho Strauß eine Komödie über uns schreibt, setzen lauter Jargons unter sich gespenstische Wesen, Angestellte an. Strauß' Figuren sind die Arbeitnehmer und Dienstleistenden des modernen Theaters, und ihre Aufträge beziehen sie aus der Vergangenheit

von ihr werden sie beherrscht, ihre Spiele spielen sie nach. Der Dramen-Angestellte ist, wie der Verschollene, ein Charakter in der Passivform

er wurde von höheren Mächten dorthin gehoben, wo er jetzt steht.

Strauß' Angestellte kommen nicht aus der Stille, sondern aus dem Pulk, dem repräsentativen (wenn auch verzauberten) Durchschnitt. Allein, gar schweigend können sie nicht leben. Sie sind nur als schnatternde Kollegenschar denkbar.

Mit den Figuren früherer Strauß-Komödien bilden sie eine Belegschaft von seltsam homogenem, ewig jungem Tonfall: Sie tragen ihre Sprache wie einen beschichteten Dienstanzug zwischen Seele und Rolle, eine nicht brennbare Einheitsunterwäsche, mit der sie hinab in den glühenden Urgrund steigen, aus dem Strauß sein Material bezieht.

100 Rollen hat das neue Stück Der Narr und seine Frau heute abend in Pancomedia, und wie sie zu begreifen sind, sagt die "Buchfee". Sie sei, glaubt sie, "nur der leichte Geist von einem Pfeil". Strauß' Figuren sind zur Zeichenhaftigkeit verschlankt, links, die uns alte Tiefen aufreißen.