Man ahnte es schon: Es war eine folgenreiche Entscheidung, das Holocaust-Mahnmal Peter Eisenmans mit einem "Ort der Information" zu versehen. Jetzt erst lässt sich jedoch abschätzen, wie stark die Gesamtwirkung des Komplexes durch die Ergänzung verändert werden wird. Das Kuratorium der Stiftung, die das Denkmal plant, hat sich dieser Tage auf einen Entwurf für die unterirdische Ausstellung festgelegt. Er stammt von der Berliner Ausstellungsdesignerin Dagmar von Wilcken und zeichnet sich durch eine große Einfühlsamkeit aus. Man möchte fast sagen, Dagmar von Wilcken versteht Eisenman besser, als er selbst es manchmal vermag.

Ihre Aufgabe war heikel: Vorgegeben waren seitens des Architekten das Raster vier gleich großer Räume von je etwa 150 Quadratmetern sowie seitens der begleitenden Historikerkomission die Gliederung des Rundgangs in die Stationen Raum der Stille, Raum der Schicksale, Raum der Namen und Raum der Orte. Die Designerin hat sich entschieden, die Sprache des oberirdischen Denkmals in den Untergrund mitzunehmen. Im Raum der Schicksale etwa, wo man den Leidensweg einiger Familien wird nachverfolgen können, lässt sie Stelen als beleuchtete Körper von der Decke wachsen wie riesige Stalaktiten. Überall greift sie Form und Dimension der Stelen auf: Im Raum der Stille sind beleuchtete, beschriftete Glasflächen in den Boden eingelassen - auf dem Raster des Stelenfeldes.

Im Untergrund, so paradox es klingt, tritt etwas zutage: Wir haben es beim Mahnmal mit einem zivilreligiösen Bauwerk zu tun. Es scheint unvermeidlich, dass es vielfache Anleihen aus der Kirchenbaukunst enthält - von der Krypta und dem Kreuzweg bis zum Kirchenfenster, dem hier die gestalterische Grundidee entnommen wurde. Die Räume werden, wie bei Sakralbauten üblich, durch eine Lichtregie erhellt, die Information und Erleuchtung in eins setzt.

Die aufklärerische Information selbst ist die Lichtquelle, die diese Unterwelt erleuchtet. Diesen Aufklärerglauben wähnte man einst durch den Holocaust für alle Zeit beschädigt. Es wäre eine Sensation, wenn ihm nun ausgerechnet unter dem Holocaust-Mahnmal ein Schrein errichtet würde.