Hinzu kommt insbesondere in den Städten ein wachsender Kulturkonflikt. Ein beachtlicher Teil der jungen Männer in unserem Land stammt aus Einwandererfamilien, in denen ein traditionelles Männerbild vorherrscht. Es dominiert vielfach noch der Familienvater, der von Frau und Kindern Gehorsam verlangt und es gewohnt ist, sich notfalls mit Gewalt Respekt zu verschaffen.

Eine repräsentative Schülerbefragung des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen hat gezeigt, dass Gewalt in jugoslawischen und türkischen Familien zwei- bis dreimal so häufig vorkommt wie in einheimischen deutschen Familien. Und sie hat ferner bewiesen, dass dieses Aufwachsen in einer Macho-Kultur sehr dazu beiträgt, dass im Vergleich männliche türkische und jugoslawische Jugendliche wesentlich häufiger gewalttätig werden als deutsche.

Augenfällig ist auch die so unterschiedliche Entwicklung krimineller Karrieren von Männern und Frauen. Frauen zeigen größere soziale Lernfähigkeit. Ihre Rückfallquote liegt in allen Deliktsbereichen erheblich unter der von Männern. Die Folge: Unter jenen Menschen, die mindestens zehnmal wegen einer Straftat verurteilt wurden, befinden sich fast nur noch Männer.

Ebenso interessant sind Erkenntnisse darüber, wie sich ein steigender Frauenanteil in bestimmten Berufen auswirkt. So stellte man in England fest, dass dort, wo die Frauenqote in der Polizei oder unter den Strafvollzugsbediensteten stieg, die Beschwerden über illegale Polizeigewalt und Disziplinarvorfälle mit Gefangenen deutlich sanken.

Zu dieser Beobachtung passt die vom Hamburger Kriminologen Klaus Sessar gewonnene Erkenntnis, dass weibliche Richter und Staatsanwälte dem Konzept der Wiedergutmachung und des Täter-Opfer-Ausgleichs wesentlich aufgeschlossener gegenüberstehen als männliche. Männer wiederum sprechen sich öfter für harte Strafen aus und plädieren erheblich häufiger als Frauen für die Wiedereinführung der Todesstrafe.

Die Erkenntnisse zur Gewaltkriminalität und zum Umgang mit ihr lassen sich durchaus auf Terror und Krieg übertragen. Ein Blick in die Gegenwart: Die Eta-Bomben in Spanien, der Konflikt an der Grenze von Albanien und Mazedonien, der alltägliche Kampf zwischen Palästinensern und Israelis oder die Terrorangriffe der von Bin Laden befehligten radikalen Muslime - dies alles sind von Männern beherrschte Gewaltakte. Und auch die Kriege der letzten zehn Jahre sind Macho-Kulturen und ihren machtgierigen Herrschern zuzurechnen. Man denke nur an Saddam Hussein, Milosevic oder Kabila.

Die Protestkundgebungen gegen Terror und Krieg hingegen werden meist von Frauen organisiert und dominiert. Zum Frieden in Nordirland riefen zuerst die Frauen auf und erhielten hierfür den Friedensnobelpreis. Die beharrlichen Demonstrationen der Mütter von getöteten Gegnern der argentinischen Militärjunta sind uns immer noch im Gedächtnis. Auch in Jugoslawien waren es Frauen, die als Erste öffentlich gegen den Wahnsinn des Bürgerkrieges aufstanden.