"ETWAS FEHLT" ist sonnengelb in eine schwarze Farbwolke geschrieben. Dieser Satz scheint symptomatisch für Thomas Schütte. Als drohe ihm die Welt verloren zu gehen, versucht er sie ständig mit den eigenen Händen nachzubilden. Der körperliche Einsatz ist ihm dabei wichtig. Einmal hat er monatelang Porträts von einer Frau gezeichnet, und zwar je 15 in drei Stunden: "Sehr schnell mit nur einer Linie. Und ich habe festgestellt, dass man nur Menschen zeichnen kann, die man nicht kennt - weil man die völlig neu erfinden muss." Einige dieser Blätter sind in der Sammlung Goetz in München (Oberföhringer Straße 103, bis 6. August, Tel. 089/95 93 96 90

Katalog DM 48,-) zu sehen. Mit insgesamt etwa 50 Werken aus mehr als 20 Jahren zeigt die Ausstellung einen beeindruckenden Ausschnitt aus dem bizarren Welttheater Schüttes, in dem es weder einen einheitlichen Stil noch mediale Grenzen gibt.

Formen und Figuren werden in unterschiedlichen Maßstäben und Materialien erprobt. Alles hat Modellcharakter wie der Schutzraum oder das Wartehäuschen, das er als sein eigenes Grabmal entworfen hat. Bei den Deformationen, die die Gruppen der United Enemies und der Kleinen Geister zeigen, könnte man auch von einem Panoptikum sprechen, indem selbst der Januskopf zum Dreigestirn mutiert. Eine Art Schlüsselbild im Gesamtwerk nimmt das große Theatermodell von 1987 ein, das von beschrifteten Fahnen flankiert wird. "Pro Status Quo" ist hier zu lesen oder "Für die Macht". Das Pathos der Inszenierung wird durch den Titel der Installation With Tears in My Ears ironisch gebrochen.

Die Aufführungen im Welttheater von Thomas Schütte finden nicht in der Staatsoper, sondern eher in der Vorstadt statt, wo Figuren gern überzeichnet werden.