Wer bremst, verliert. Und so fliegen bei den Rennen der Formel 1 regelmäßig die Fetzen - auf der Strecke genauso wie hinter den Kulissen.

Längst geht es um mehr als um den Spaß am Motorsport. Es geht um Geld. Die Autohersteller haben die Formel 1 als PR-Maschine zur Imagepflege entdeckt.

Früher fuhren Williams gegen Brabham, McLaren gegen Lotus oder Ligier. Heute fährt Mercedes gegen BMW, Renault gegen Honda und Jaguar gegen Ferrari.

Doch wenige Tage nach dem jüngsten Spektakel in SÆo Paulo wurden die Formel-1-Fans von einer unerwarteten Nachricht überrascht. Fiat-Chef Paolo Cantarella, derzeit turnusgemäß Präsident des Verbands der europäischen Automobilhersteller (Acea), verkündete, dass sich einige europäische Hersteller entschlossen hätten, eine alternative Rennserie ins Leben zu rufen. Ganz wie bei der Formel 1 sollten dort "offene Rennwagen mit einem Sitz" um die Weltmeisterschaft kämpfen. Mit von der Partie sind DaimlerChrysler, Renault, Ford und natürlich Fiat. Was bringt die erbitterten Rivalen so plötzlich in ein gemeinsames Boot? Ganz einfach. Die Autobosse haben einen gemeinsamen Gegner entdeckt: den Medienmogul Leo Kirch.

Die Münchner Kirch-Gruppe hat sich maßgeblichen Einfluss auf die Vergabe der Rechte für die Fernsehübertragung gesichert. Jetzt fürchten die Automanager, dass Kirch die Rennen exklusiv für sein notleidendes Bezahlfernsehen Premiere reservieren will. Damit würden sie eine gewaltige Schar von Zuschauern im frei empfangbaren Fernsehen verlieren, die ihnen zahlungskräftige Sponsoren zutreibt. Überdies fürchten sie, dass Kirch ein funktionierendes Geflecht von Geschäften durcheinander bringt und Einfluss auf die Rennregie nimmt - ganz nach dem Vorbild der Fußballbundesliga.

Nicht immer waren die Autorennen so begehrt. Noch Anfang der neunziger Jahre interessierten sich für die Rennen in Deutschland nur ein paar 100 000 Menschen. Den öffentlich-rechtlichen Sendern ARD und ZDF war das Spektakel allenfalls eine kurze Zusammenfassung wert. Dann kam RTL. Dessen damaliger Chef Helmut Thoma (siehe Interview) suchte eine Sportart, die er zum Topereignis aufbauen konnte. In der Formel 1 wurde er fündig und sicherte sich für neun Jahre die Übertragungsrechte bis Ende 2003.

Thoma und sein Nachfolger Gerhard Zeiler haben die Formel 1 zu einem Ereignis gemacht, das von März bis Oktober alle zwei Wochen in Millionen Familien das Fernsehwochenende bestimmt. Allein das Rennen im brasilianischen Interlagos vor zwei Wochen verfolgten 14 Millionen Deutsche am Bildschirm. Die Werbeeinnahmen sprudeln kräftig. Unter den 20 erfolgreichsten RTL-Sendungen waren im vergangenen Jahr acht Formel-1-Rennen.