Nach den Entlassungen beim Nahrungsmittelhersteller Danone und den angekündigten Ladenschließungen des Einzelhändlers Marks & Spencer kursiert in Frankreich ein neuer Begriff: licenciement boursier. Übersetzt heißt das so viel wie "aktienkursbedingte Kündigungen". Soll heißen: Sowohl Franzosen als auch Briten hätten vor allem ihren Aktionären einen Gefallen tun wollen.

Erfunden hat die Wortschöpfung nicht irgendein französischer Liberalisierungsgegner um José Bové, Viviane Forrester oder Pierre Bourdieu, sondern das Anlegerblatt Investir. Darin heißt es, dass Pensionsfonds und vor allem spekulative Hedgefonds äußerst sensibel auf Sozialkonflikte reagieren.

Verdeckt operierende Hedgefonds seien die Ersten, die sich zurückzögen, wenn es in irgendeiner börsennotierten Firma brodelt. Für diese Theorie spricht, dass der Kurs von Marks & Spencer wieder absackte, nachdem er spontan um sieben Prozent gestiegen war, als die Entlassungen verkündet wurden.

Frankreichs Arbeitnehmer und Gewerkschaften werden das gern hören. Sie zeichnen sich durch ein traditionell hohes Protestpotenzial aus. Zehn Tage lang legten die Eisenbahner gerade erst per Bummelstreik den Zugverkehr lahm.

Aber so viel Einfluss auf die Finanzmärkte hätten sie sich beim besten Willen nicht zugetraut.

Auch der sozialistische Regierungschef Lionel Jospin darf sich freuen. Er muss nicht mal auf die Straße gehen, sondern nur medienwirksam die Stimme erheben, um die Märkte zu bewegen. Auf einer Reise in Brasilien gab er seine Vorstellungen zur Globalisierung zum Besten. Die sei zwar eine "Tatsache, aber kein Ziel an sich". Er wünscht sich eine Globalisierung "mit menschlichem Antlitz", die die Menschen respektiert. Es gebe nicht nur Amerikas Weltsicht. Ein bisschen spielte der Premierminister da schon Präsident.