Das Übernahmeangebot des deutschen Energieriesen Eon für den britischen Stromversorger PowerGen hat die Gerüchteküche unter Strom gesetzt: Wollen die französische EdF - immerhin der mit Abstand größte europäische Energiekonzern - oder die deutsche RWE nun ebenfalls Kraftwerke auf der Insel kaufen? Oder wird einer der beiden gar dem Eon-Angebot bis zum vorgesehenen Abschluss im Frühjahr 2002 noch mit einem Gegenangebot dazwischenfunken? Der offizielle Kommentar von RWE klingt jedenfalls nichtssagend: "Jeder spricht mit jedem."

Rund 30 Milliarden Mark lässt sich Eon das Londoner Unternehmen PowerGen kosten. Gleichzeitig will Konzernchef Ulrich Hartmann die Chemietochter Degussa verkaufen. Eon war erst im vergangenen Jahr aus dem Zusammenschluss der Mischkonzerne Veba und Viag entstanden.

Analysten in der Londoner City gibt das Interesse an britischen Stromversorgern unterdessen Rätsel auf. Die Branche leidet an Überkapazitäten. "Die Preise könnten noch um 10 bis 15 Prozent fallen", glaubt Peter Averton, Stromexperte bei der Investmentbank Schroder Salomon Smith Barney. Andere Experten sehen daher in ein paar Jahren noch größere Gefahren heraufziehen: Sinkende Preise plus Konsolidierung drosseln nämlich auch die Investitionen. Dann würden aus Überkapazitäten Unterkapazitäten, und im Extremfall drohe gar ein kalifornisches Szenario mit Kraftwerkspleiten und Stromausfällen. Am britischen Strommarkt können steigende Energiepreise nämlich kaum an die Kunden weitergegeben werden: Die komplizierte Marktstruktur und die Aufsichtsbehörden knebeln die Anbieter.