In diesen Tagen zeigt sich wieder einmal, wie klein die Welt geworden ist. Das Schicksal eines kalifornischen Webdesigners scheint eng verknüpft mit dem eines Facharbeiters in Dingolfing oder eines Bankangestellten in Kyoto. Was den einen trifft, tut auch dem anderen weh. Der amerikanische Boom ist zu Ende, Japan findet keinen Weg aus der Krise. In Deutschland wird die Wirtschaft nicht um 2,7 Prozent wachsen wie erwartet, sondern nur noch um 2,1 Prozent - heißt es im neuen Frühjahrsgutachten der Forschungsinstitute. Viele Ökonomen halten das noch für reichlich optimistisch, und schuld an der Misere scheint nur die Verflechtung der Weltwirtschaft zu sein.

Stimmt das? Hängen die deutsche und die europäische Wirtschaft wirklich so sehr von Amerika und von Fernost ab?

Der meistgenannte Beleg für die wirtschaftliche Verflechtung der Erdteile ist der Anstieg des Welthandels. Seit fünf Jahrzehnten wächst er schneller als die Wirtschaft insgesamt. Von Jahr zu Jahr kaufen die Kunden mehr Waren aus dem Ausland. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich aber, dass Ausland meist Nachbarland bedeutet. Der Großteil des Handels findet innerhalb Nordamerikas, Ostasiens und Europas statt. Die Nachfrage aus den USA macht nicht einmal drei Prozent des europäischen Bruttoinlandsproduktes aus, aber 25 Prozent des mexikanischen und 33 Prozent des kanadischen. Was die Gütermärkte angeht, spricht man also besser von Regionalisierung als von Globalisierung.

Allerdings strömen nicht nur Güter von Land zu Land, sondern auch Gelder.

Tatsächlich denken die Pessimisten unter den Ökonomen weniger an Amerikaner, die plötzlich keine europäischen Autos mehr kaufen, als vielmehr an europäische und japanische Anleger, die schlagartig ihr Kapital aus dem Rezessionsland Amerika abziehen. Der Dollar würde abstürzen, Euro und Yen würden nach oben schnellen. Dann aber fehlte den Exporteuren der EU nicht nur die Nachfrage aus den USA, sondern auch noch aus Asien, Osteuropa und Lateinamerika.

Anleger neigen noch zur heimischen Aktie

Hinter diesem Szenario steht das Bild vom weltweit mobilen Kapital. Demnach gilt die Lehrbuchweisheit nicht mehr, dass Staat und Unternehmen nur so viel investieren können, wie die Leute in ihrem Land an Ersparnissen anhäufen.