Die Art, wie der Polo - Berlusconis Dreiparteienbündnis Pol der Freiheiten - seinen Wahlkampf angelegt hat, ist zweifellos wirkungsvoll, sodass sich viele fragen, was sein, sagen wir nicht Geheimnis, aber sein Schlüssel und Vorbild ist. Als Erstes kommt einem in den Sinn, dass der Polo und in besonderer Weise Berlusconi (das einzige Gesicht in der ganzen Kampagne) dem Vorbild der Werbung folgen. Aus der Werbung haben sie die ständige Wiederholung immer desselben Symbols und einiger weniger einprägsamer Slogans übernommen, dazu eine wohlüberlegte Farbauswahl, die sicher gewinnbringend ist, weil sie stark an die von Windows erinnert. Die elementare Schlichtheit der Slogans ist dieselbe wie die bei den Produkten des Massenkonsums und teilt mit den Werbekampagnen das Prinzip, dass der Slogan nicht darauf bedacht sein muss, für wahr gehalten zu werden. Kein Käufer glaubt wirklich, dass Scavolini die Küche für alle Italiener ist (die Statistiken würden ihn eines Besseren belehren) oder dass ein Waschmittel X weißer wäscht als andere (Hausfrau und Hausmann wissen, dass ab einem bestimmten Preis alle Markenwaschmittel mehr oder weniger gleich gut waschen); und doch sind die Käufer beim Kaufen empfänglicher für Produkte, deren Slogan sie sich gemerkt haben.

So gesehen ist es völlig nutzlos (oder bestenfalls amüsant), wenn Satiriker oder Politiker sich ironisch über Berlusconis Selbstbezeichnung als "Arbeiter" auslassen oder seine Parole "Anständigere Renten für alle" verspotten: Slogans wollen nicht geglaubt werden, sondern nur in Erinnerung bleiben. Allerdings funktioniert das Modell der Werbung nur bei Plakaten und ähnlichen Formen von eben Werbeanzeigen, nicht aber bei Aktionen im parlamentarischen Kampf oder in den Medien, die von Mal zu Mal ad hoc durchgeführt werden, wenn der Wahltag näher rückt.

Im Gegenteil, der eine oder andere hat sogar schon einen scheinbaren Widerspruch zwischen dem kumpelhaft-freundlichen Ton der Propaganda und der Aggressivität des politischen Handelns bemerkt und darin einen taktischen Fehler erkennen wollen. So hat die Interpretation von Indro Montanelli um sich gegriffen: Indem der Polo sich außerstande zeige, einige genetische Anlagen seiner einzelnen politischen Komponenten und einige tief eingewurzelte psychische Neigungen seines Führers zu kontrollieren, offenbare er seine eigenen autoritären Tendenzen und eine latente (wenn auch bisher nur symbolische) Sehnsucht nach dem großen Dreinschlagen.

Mir scheint jedoch auch diese Interpretation noch zu kurz gegriffen. Sie erklärt einige unkontrollierte Ausbrüche, Drohungen und Versprechungen, aber nicht alle Verhaltensweisen des Bündnisses, die hingegen sehr kohärent, wie mir scheint, einem anderen Modell folgen. Dieses andere Modell ist nun nicht faschistisch oder konsumistisch, sondern altkommunistisch, vermischt mit Elementen der 68er-Bewegung. Versuchen wir uns zu erinnern (sofern wir alt genug dazu sind), worin die propagandistischen Taktiken und Strategien der KPI unter Togliatti bestanden. So komplex die kulturelle Ausdifferenzierung im Innern der Führungsgruppe gewesen sein mochte, nach außen hin stellte sich die Partei durch einige wirkungsvolle und leicht verständliche Parolen dar, die bei jeder Gelegenheit wiederholt wurden.

Da war erstens der Angriff auf den kapitalistischen Imperialismus als Ursache der Armut in der Welt, auf den Nordatlantikpakt als seinen kriegstreiberischen Arm, auf die Regierung als Knecht der Amerikaner und auf die Polizei als den bewaffneten Arm der Regierung. Im Übrigen betrieb man die Delegitimierung einer Justiz, die militante Streikende verurteilte, nicht aber deren Peiniger, oder man machte zumindest einen klaren Unterschied zwischen einer guten Justiz - meist kleinen Amtsrichtern, die sich um die Rechte der Massen kümmerten - und einer bösen Justiz, die nichts gegen die Gesetzesbrüche der herrschenden Klasse unternahm, aber streng gegen die Proteste der Arbeiter vorging. Wir brauchen nun bloß das böse Amerika durch den bösen Kommunismus und seine törichten Knechte zu ersetzen (bis hin zu dem Katholiken Scalfaro und dem Konservativen Montanelli) und an die Unterscheidung zwischen den "roten" Roben, die Berlusconis Affären untersuchen, und den "guten" Roben zu denken (die jedes Mal ins Spiel gebracht werden, wenn es zu beweisen gilt, dass eine Anklage unbegründet war) - und das Schema erweist sich als dasselbe.

Zum Zweiten erinnern wir uns an den Gebrauch unmittelbar zupackender Parolen (die viel simpler waren als das politische Projekt, das sie propagieren sollten), etwa an die Volksreden eines KP-Führers wie Pajetta, in denen trotz aller dialektischen Subtilitäten des Redners die zentrale These immer nur lautete: "Die Dinge müssen anders werden." Zum Dritten schließlich sollten wir uns an die unbestrittene Fähigkeit erinnern, allgemein gültige Werte zu monopolisieren und zu parteilichen Werten zu machen; denken wir an die massive Kampagne für den Frieden, an den Gebrauch von Begriffen wie "demokratisch" (der schließlich nur noch die Regime Osteuropas bezeichnete) und an die Vereinnahmung des Bildes von Garibaldi. So wie heute jeder, der in einem Fußballstadion Forza Italia! schreit oder von liberalen Werten und von Freiheit spricht, sofort zu einem Propagandisten des Pols der Freiheiten wird, so wurde damals jeder, der von Frieden und Pazifismus sprechen wollte, automatisch unter die Weggefährten des Kommunismus eingereiht - jedenfalls bis Papst Johannes XXIII. mit seiner Enzyklika Pacem in Terris das Ideal des Friedens wieder zu einem auch nichtkommunistischen Wert erhob.

Ein weiteres Element der altkommunistischen Propaganda und Politik (sowohl im Parlament wie auf den Straßen) war einerseits die extreme Aggressivität, auch in der Wortwahl, um jedes gegnerische Verhalten als "gegen das Volk gerichtet" anzuprangern, und zugleich die permanente Anprangerung der Aggressivität anderer und der Verfolgungspraxis gegenüber den Volksparteien. Dieselbe Haltung ist dann später, in weit brutalerer Form, von den lateinamerikanischen Aufstandsbewegungen (zum Beispiel der Túpac Amaru) auf die europäischen Terroristen übergegangen, die das (utopische, wie sich zeigte) Projekt verfolgten, durch Provokationen, die für jede Regierung unerträglich wären, eine staatliche Repression auszulösen, die dann von den Massen als unerträglich empfunden würde. Aber - ohne die gewalttätigen Bewegungen zu bemühen - die Aggressivität im Anprangern des Medienkomplotts ist die siegreiche Waffe der Radikalen Partei geworden, die ihre große Medienpräsenz jenen Protestaktionen gegen das Totschweigen verdankte, das die Medien angeblich ihr gegenüber praktizierten. Typisch für Berlusconis Haltung ist in der Tat, dass er über einen riesigen massenmedialen Apparat verfügt und ihn dazu benutzt, sich über die Verfolgung seiner Person durch die Medien zu beklagen.