Bombay macht fröhlich: Der betörende Duft von Jasmin- und Ylang-Ylang-Blüten liegt in der Luft. Und ein fernes Lachen, vor allem frühmorgens, denn in keiner Stadt der Welt herrscht so viel Heiterkeit wie hier. Das hat vor allem mit den Lachklubs zu tun, die seit ein paar Jahren in den Stadtparks und entlang der Strände am Indischen Ozean aus dem Boden schießen: Der Joggers-Park-Lachklub, der Yuhu-Beach-Lachklub, der Lokhandwala-Lachklub. Um nur jene der ersten Stunde zu nennen, denn fast wöchentlich kommt ein neuer hinzu.

Neugierig geworden, was denn ein Lachklub überhaupt sei, machen wir uns gegen halb sechs Uhr morgens auf den Weg in den Lokhandwala-Park: Tautropfen funkeln auf den ausladenden Blättern der Bananenstauden, von der Sonne wachgeküsst, schweben Schmetterlinge mit Flügeln, groß wie Handteller, über weite Wiesen. Hinten, auf einer der größten, haben sich 50 oder auch 60 Menschen versammelt. Ein älterer Herr mit Turban, Frauen in leuchtend roten, blauen, grünen und gelben Saris. Die 20-jährige Sakshi, die im Krankenhaus als Laborantin arbeitet, Nitin, der noch studiert, Hausfrauen, Büroangestellte, ein paar Rentner.

In ihrer Mitte steht ein kleiner, etwas fülliger Mann mit schwarzem Kräuselbart: der Lachmeister dieses Lachklubs, wie sich gleich herausstellen wird. "Anchorman" nennen sie ihn nur. Jetzt hebt er beide Arme in den blauen Himmel, legt seinen Kopf ins Genick, schließt die Augen. Dann streckt er sich bis in die Zehen. 100 andere Hände folgen seinen Bewegungen, 50 Lippen schließen sich wie seine, atmen tief ein, atmen wieder aus, beginnen mit einem Summen, minutenlang, als hätten sich alle Hummeln zwischen Hyderabad und Hindukusch just hier versammelt: "Aummmmmmm", der den Hindus heilige Atem des Kosmos, summt, vielstimmig verstärkt, durch den Park. Und wieder: "Aummmmmm."

Dann ein abrupter Wechsel. Der Krausbart hat seine Hände vom Himmel geholt, klatscht jetzt wie wild, aber mit festem Rhythmus: "Haha hoho, haha hoho, haha hoho", donnert es dabei aus allen Kehlen über die Bananenstauden und durch die Wedel der sich im Wind wiegenden Kokospalmen hinweg:

"Haha hohoho, haha - stilles Lachen", hat der Anchor der Runde verordnet. Alle pressen ihre Lippen zusammen, plustern ihre Backen auf, glucksen in sich hinein, als ob sie gegen das Lachen ankämpfen würden. Bis die Erlösung kommt, weil der Vorlacher, in die Hände klatschend und mit einem skandierenden "Haha hohoho", zur nächsten Lachübung überleitet. Der lachende Adler heißt sie. Nitan, Sakshi, Kiran, Kumar und all die anderen haben die Arme gleich Adlerflügeln ausgebreitet. Jetzt laufen sie mit schwingenden Händen im Kreis, stoßen dabei gellend krächzende Lachlaute aus und müssen bald über sich selbst und die kuriose Situation herzhaft lachen. Spätestens jetzt lacht auch der Gast mit. Weil Lachen bekanntlich ansteckt und die Adlerübung wirklich zu komisch ist.

Mitten unter den 50 oder 60 Lachern ist auch Mister Hinduja, ein ebenso hagerer wie rüstiger Mittsiebziger. Vor allem ist er ein echter Champion, der beste Lacher zwischen Amritsar und Madras. Vor zwei Jahren gewann er zum ersten Mal und gegen ein paar tausend andere Lach-Cracks aus Indiens mittlerweile zahlreichen Lachklubs den All India Laughter Contest. Einziges Kriterium beim Wettkampf: Wer kann am natürlichsten lachen, ohne dass es eigentlich etwas zu lachen gibt. Denn "laughter without reason" ist die wahre Lachkunst, wie sie in den Klubs praktiziert wird. Mit Übungen, die aus dem Yoga abgeleitet sind und den Menschen zu wahren Lachausbrüchen stimulieren. Und ohne dass man weder "vegetarian" noch "non-vegetarian jokes", also weder harmlose noch zotige Witze erzählen müsste.

Wer lustig ist, wird selten krank