Der deutsche Ingenieur liebt's gründlich. Und so erfährt ein dieser Tage veröffentlichtes Positionspapier zur Reform der universitären Ingenieurausbildung ungewöhnliches Lob vom Präsidenten der Hochschulrektorenkonferenz (HRK). Er könne sich nur an wenige Papiere zur Hochschulpolitik erinnern, sagt Klaus Landfried, die "in sich so schlüssig, sorgfältig formuliert und bemerkenswert klar" seien. Zudem entspreche es in vielen Punkten den Entschließungen der HRK.

Mit dem Positionspapier wollen sich die 20 Technischen Universitäten (TUs), die es verfasst haben, nach eigener Aussage "an die Spitze der Reformbewegungen des universitären Studiums in Deutschland" setzen. Folgerichtig planen sie, nach angelsächsischem Muster zweistufige Studiengänge einzurichten, die zum Bachelor führen (nach drei bis vier Jahren) und darauf aufbauend zum Master (nach weiteren ein bis zwei Jahren). Zur Freude von Klaus Landfried, denn diese Studienstruktur propagiert die HRK seit 1997.

Doch nicht überall stößt die Denkschrift der Ingenieurkaderschmieden auf Gegenliebe. Denn die von den TUs geplante Studienreform ist eine mit angezogener Handbremse: So sollen parallel zu den neuartigen Studiengängen die traditionellen einstufigen Diplomstudiengänge erhalten bleiben, und der Bachelor-Abschluss wird zu einer besseren Zwischenprüfung degradiert.

Hochschulpolitiker wie der niedersächsische Wissenschaftsminister Thomas Oppermann (SPD) begrüßen denn auch die Entscheidung, international übliche Studienstrukturen anzubieten, warnen jedoch vor einer Verwässerung der Hochschulreform, auf die sich Europas Bildungsminister und die deutschen Kultusminister geeinigt haben.

Die zweistufigen Studiengänge sind Kernstück dieser Reform. Ihr Vorteil: Sie sind international kompatibel, erleichtern damit deutschen Studenten den Gang ins Ausland und machen umgekehrt deutsche Universitäten für Ausländer attraktiver. Denn bisher fand zum Beispiel ein indonesischer Student mit einem Bachelor-Abschluss keinen Einstiegspunkt ins deutsche Studium. Umgekehrt gilt das deutsche Diplom im Ausland häufig nur als erster akademischer Abschluss, wird oft mit dem Bachelor verglichen, obwohl es eher dem Mastergrad entspricht.

Ein zweistufiges Studium erleichtert überdies die Anpassung an die wechselnden Erfordernisse des Arbeitsmarkts und ermöglicht neue Studienkombinationen: dem Bachelor-Studium zum Ingenieur kann sich etwa das Master-Studium der Ökonomie anschließen.

Wenn parallel dazu am Diplom festgehalten werde, ist das für Winfried Schulze, den ehemaligen Vorsitzenden des reformfreudigen Wissenschaftsrates, "Vergeudung innovativer Kraft". Wenn gar - wie die TUs planen - einstufige Diplomstudiengänge durch bloßes Wechseln des Etiketts zu Master-Studiengängen mutieren, wird die Kritik schärfer. "Ein Master-Studiengang ohne die Stufe Bachelor stünde mit den Maßnahmen zur Qualitätssicherung nach internationalen Maßstäben nicht im Einklang", sagt Thomas Oppermann - und würde zudem den Bestimmungen des Hochschulrahmengesetzes zuwiderlaufen.