Barbara Schöneberger, 27, wurde 1998 mit einem Auftritt in der Harald-Schmidt-Show schlagartig bekannt. Vom 23. April an moderiert sie auf Sun-TV nun ihre eigene Late-Night-Show "Blondes Gift"

Kurzfristig fand ich den Kindergarten gruselig: Ich bin ein Einzelkind und hatte - und habe - einen engen Kontakt zu meiner Mutter. Nicht nur dass ich mich von ihr trennen musste, am ersten Kindergartentag trug ich auch noch eine runde Brille mit geriffelter Folie und einem Elefanten auf einem der Gläser, um mein Schielen zu kurieren. Später kam eine Zahnspange hinzu. Es war alles sehr peinlich. Aber ich habe schnell gemerkt, dass man da ja auch neue Leute kennen lernt. Das fand ich gut. Dieses Gefühl, die Freude am Reden, am Treiben auf dem Schulhof, an dem social event Schule hat mich bis zum Abitur nicht mehr verlassen.

Ich ging auf ein musisches Gymnasium in einem Vorort von München. Da waren auch die Kinder der Kollegen meines Vaters. Er ist Soloklarinettist an der Münchner Oper. Musik war dort Hauptfach, das war mein Glück. Ich habe ganz einfach eine einseitige Begabung: Sprachen, Kunst, Musik - alles prima. Aber bei den Zahlen hapert's. Sobald im Unterricht etwas anderes auftauchte als die vier Grundrechenarten, war's aus. Ich hatte die teuersten Nachhilfelehrer Münchens, ohne Erfolg. Einer arbeitete nach einem Prämiensystem: 50 Mark wollte er, falls ich eine Zwei im Zeugnis hätte, 100 bei einer Eins. Meine Mutter hat nur gelacht: "Wenn meine Tochter eine Eins in Mathe schreibt, zahle ich Ihnen gern tausend Mark." Ich hatte wieder eine Fünf. Meine Mutter kann sich eben auf mich verlassen.

Die Versetzung in die Kollegstufe schaffte ich nur wegen meiner Leistungen in Deutsch und Englisch und meiner Eins in Musik: Ich sang im Schulchor mit und musste, so verlangte es die Schule, Klavier lernen, jeden Tag eine halbe Stunde.

Nach dem Abitur fiel ich erst mal in ein schwarzes Loch. Denn trotz meines Mathehorrors bin ich ja sehr gern zur Schule gegangen. Andere hatten sich schon längst mit den ZVS-Bögen rumgeschlagen und konkrete Pläne gemacht, ich aber nicht. Ich wusste nur, dass ich gern etwas Handfestes machen wollte - wo man ins Büro geht und mit Stiften und Papieren hantiert.

Zu der Zeit bin ich manchmal Modeschauen gelaufen. Warum also nicht Modejournalistin werden? Über eine Bekannte kam ich zu einem Volontariat bei einem obskuren Münchner Modeblatt, Mode Spezial. Meine Chefin war eine der unangenehmsten Frauen, denen ich je begegnet bin. Vom ersten Tag an machte ich in ihren Augen alles falsch - etwa die Bleistifte mit der Spitze nach unten in den Behälter stellen. Ich bin eigentlich ganz selbstbewusst, aber das war sehr hart. Jeden Abend habe ich ein Glas Nutella geleert und ins Kissen geheult. Nach drei Monaten hatte ich genug.

Ich ging dann an die Uni nach Augsburg und fing an, Soziologie zu studieren. Augsburg hat mir gleich gefallen: Obwohl ich mich zwei Wochen zu spät angemeldet hatte, wurde ich problemlos zum Studium zugelassen. Und in Soziologie konnte ich meine Allgemeinbildung vervollständigen, denn in dem Fach ist alles drin: Politik, Geschichte, Psychologie. Ich hatte einen sehr charismatischen, herrlich bösen Professor, dessen Vorlesungen richtig spannend waren. Prompt hatte ich nur noch beste Noten. Nach der Zwischenprüfung hat er mir sogar eine Stelle als Hiwi angeboten, was mich zwar gefreut hat, ich mir aber finanziell nicht leisten konnte. Die Stelle war einfach zu schlecht bezahlt. Ich hatte damals eine Wohnung, ein Auto, ein Handy. Ich musste Geld verdienen und habe alles Mögliche gemacht: Modeschauen, Klamotten verkauft, Interviews verschriftet oder den Hostessenservice bei großen Messen koordiniert.