Kubicki: Guten Morgen Herr Capellan.

Capellan: Herr Kubicki, Herr Möllemann ist im Urlaub. Er hat sich noch nicht geäußert, aber er kann eigentlich nicht kneifen; er muss jetzt ran.

Kubicki: Herr Möllemann muss immer ran. Wenn man sich daran erinnert, dass die FDP vor zwei Jahren noch bundesweites Dasein einer Splitterpartei mit drei Prozent in den Meinungsumfragen, dann haben ja die Wahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen und die Proklamation des ‚Projektes 18' dazu geführt, nicht nur das Selbstbewusstsein der FDP wieder zu heben, sondern sie in Meinungsumfragen in zweistellige Bereiche zu katapultieren.

Capellan: Möllemann will auch Kanzlerkandidat werden. Ist da jetzt seine Berufung zur Parteispitze ein erster Schritt auf diesem Weg?

Kubicki: Also, zunächst einmal wird man zum Parteivize nicht berufen, sondern gewählt. Er muss auf dem Bundesparteitag - wenn er denn antritt - gewählt werden. Ich denke, Jürgen Möllemann wird als Stellvertretender Bundesvorsitzender nur kandidieren, wenn es außer einem Gesichtswechsel auch einen Strategiewechsel gibt, und das heißt, wenn sich die Partei insgesamt zum ‚Projekt 18' in allen seinen drei Komponenten bekennt. Das heißt, keine Koalitionsaussage zur Bundestagswahl, das Anstreben von 18 Prozent bei der Wahl und die Aufstellung eines eigenen Kanzlerkandidaten, hinter dem sich die Partei formieren kann.

Capellan: Berufen wurde Möllemann zunächst vom künftigen Parteichef, von Guido Westerwelle. Er möchte ihn gerne haben, er möchte ihn einbinden. Man könnte auch sagen, er will ihn kaltstellen. Wie sehen Sie das?

Kubicki: Also, ich kann mir nicht vorstellen, dass Guido Westerwelle Jürgen W. Möllemann kaltstellen will. Dazu kennen die beiden sich aus ihrem eigenen Landesverband viel zu gut. Dass Guido Westerwelle auf Jürgen Möllemann setzt, halte ich für selbstverständlich, denn wer setzt nicht gerne auf Sieger? Ich will aber noch hinzufügen: Cornelia Pieper ist nicht von Guido Westerwelle als Generalsekretärin ausgesucht worden, damit sie Platz macht, sondern weil sie wirklich eine gute und hervorragende Frau ist. Sie wird das öffentliche Gesicht der FDP weiblicher machen, sie wird mehr Akzeptanz für die FDP auch bei den Frauen schaffen und bei den Wählerinnen und Wählern im Osten. Das ist eine ganz herausragende Aufgabe, die sie zu bewältigen hat. Und ich kenne sie lange und gut - seit 10 Jahren. Ich traue ihr das nicht nur zu; den Vergleich zu Angela Merkel hält sie nicht nur optisch aus.