Die meisten reden nicht so gern über ihre Erfolge (und Mißerfolge) - aber einige schon. Unter www.offshore.ai/vince erzählt der USA-stämmige Dotcom-Unternehmer Vince Cate ausführlich, wie er seinen Sprung auf das Karibik-Paradies Anguilla organisiert hat. Computerkundige Auswanderer können Geld verdienen, indem sie "Colocation" anbieten (den Verkauf von Serverplatz auf fernen Inseln) oder "Streaming", also Film- und Livevideo-Übertragungen, etwa mit pornografischen Angeboten - soweit es die Telefonleitungen ihres Wahlparadieses hergeben. Wer sich nicht ganz so gut mit der Technik auskennt, kann zum Beispiel Betreiber eines Internet-Casinos werden: www.casinocity.com bietet einen Branchenüberblick. Doch die Sache steckt erst in den Kinderschuhen, die richtig spannenden Ideen entstehen erst noch. Manche machen Geld mit Internet-Finanzdienstleistungen, Spekulationen oder mit dem Schreiben von Software, andere schreiben elektronische Anleitungen zum Bedienen von Ozeantankern und zeichnen Figuren für Zeichentrickfilme ...

Rings um die Neuen Staatenlosen auf ihren Inseln hat sich eine riesige Beratungsbranche gebildet - wobei sich ernsthafte Dienstleister, Betrüger und Spinner nicht immer leicht auseinander halten lassen. Etliche Berater bieten inzwischen aus einer Hand alles zum Thema Finanzen, Unternehmensgründung, rechtlichen Fragen, technischer Hilfestellung, Visas und Einbürgerung. Manche bestechen gleich auch die richtigen Beamten vor Ort, stellen die Pässe selber aus, vermitteln dem Offshore-Unternehmer je nach Bedarf einen respektgebietenden Doktortitel oder Handfeuerwaffen. Die folgenden Links sind ausdrücklich nur als Beispiele gedacht, nicht als Empfehlung: www.oceanis.com, www.privacy.ch, www.transnational.net, www.offshore-passports.ws.

--- Daten aus dem Paradies ---

Ihr wichtigster Tip für alle Dotcom-Auswanderer: Erst sollte man sich eingehend vor Ort informieren, ob die geplanten Dienstleistungen wirklich auch erlaubt sind - nicht jede Insel zum Beispiel lässt Offshore-Casinos zu, und mancher Offshore-Unternehmer plant noch viel krummere Dinger. "Datenparadiese" - Orte ohne jedwede Internet-Gesetze, an denen man im Cyberspace machen kann, was man will und selbst ausländische Behörden keine Chance auf Rechtshilfe haben - stecken erst in den Anfängen.

Es gibt sie schon seit Jahren in Science Fiction Büchern und anderen Kultbüchern der Szene - das Büchlein Earthweb des begeisterten Programmierers Marc Stiegler (www.the-earthweb.com) oder Cryptonomicon (www.cryptonomicon.com) von Neil Stephenson gehören zu den Kultbüchern der Szene. Auch in Debatten unter Hackern machen Datenparadiese die Runde (zum Beispiel http://www.slashdot.org/askslashdot/00/05/21/1729248.sh tml). Im "richtigen Leben" tut sich bisher folgendes:

- Die Republik Sealand http://www.sealandgov.com/ ist eigentlich eine Flugabwehrstation aus dem Zweiten Weltkrieg, 13 Kilometer von der britischen Küste entfernt - aber sie hat eine bewegte Geschichte hinter sich, seit sie 1967 von dem Kriegsveteranen Paddy Bates "erobert" wurde. Seit einem Jahr beherbergt sie auch ein Datenparadies, aufgezogen von dem Cypherpunk Sean Hastings und seinen 15 Mitarbeitern. Näheres unter www.havenco.com.

- Der Kanadier William McLay wirbt damit, dass seine Computer (www.securator.com) in einem Bunker in den Bermudas untergebracht sind - und damit sogar gegen Bomben und Invasionen gesichert.