Wal-Marts Kurs heißt Wachstum. Dem weltweit größten Einzelhandelskonzern aus den Vereinigten Staaten ist es egal, dass die jüngsten konjunkturellen Turbulenzen zahlreiche andere amerikanische Unternehmen ins Schlingern brachten. Im vergangenen Jahr konnte Wal-Mart ein Umsatzwachstum von 16 Prozent auf 191 Milliarden US-Dollar vorweisen

der Gewinn legte um 17 Prozent zu.

Um auch in Zukunft solch hohe Wachstumsraten vorweisen zu können, hat Wal-Mart bereits vor einigen Jahren damit begonnen, ein weltumspannendes Filialnetz aufzubauen. Zu den über 3000 Geschäften in den USA kommen mittlerweile rund 1000 Läden im Ausland. In Kanada und Mexiko ist Wal-Mart erfolgreich eingestiegen, in Europa und Lateinamerika engagiert sich Wal-Mart ebenfalls - allerdings mit wechselndem Erfolg.

"Zu dieser Expansionspolitik gibt es keine Alternative, will der Konzern das Wachstum halten", sagt Karl Strohmeier, Finanzanalyst bei der Landesbank Baden-Württemberg in Stuttgart. "Die entscheidende Frage ist, ob die hohen Vorlaufkosten in den einzelnen Ländern so lange tragbar sind, bis Gewinne gemacht werden." Auf den ersten Blick scheint sich das Auslandsengagement für den Einzelhändler zu lohnen: Bei einem Umsatzbeitrag von rund 32 Milliarden US-Dollar erwirtschaftete das Auslandsgeschäft eine Milliarde US-Dollar Gewinn. Doch Wal-Mart veröffentlicht die schönen Zahlen nur für ganze Kontinente, nicht für einzelne Länder.

Ob Wal-Mart noch lange mit den summierten Gewinnen über regionale Verluste hinwegtäuschen kann, ist fraglich. "Irgendwann fragt sich auch der Anleger, ob der Einzelhändler nicht profitabler arbeiten kann", sagt Strohmeier. Es heißt, im vergangenen Jahr habe Wal-Mart in Deutschland 550 Millionen Mark Verlust gemacht - Zahlen, die die deutsche Zentrale in Wuppertal nicht kommentieren will. Das Management dort sagt nur so viel: Man wolle 2002 die Verlustzone verlassen.

Selbst wenn Wal-Mart offiziell nicht über Verluste spricht, werde man beizeiten mit einem Wandel der Deutschlandstrategie auf die angespannte Lage reagieren. Zurzeit versucht das Management mit Preissenkungen bei 1000 Produkten mehr Kundschaft in die 94 Filialen zu locken. Strohmeier kann sich auch vorstellen, dass Wal-Mart deutsche Filialen abbaut und sich auf profitable Standorte konzentriert.

Im Heimatland setzt der Einzelhandelsgigant stärker auf den Lebensmittelhandel. "Mit einem großen Lebensmittelangebot kann Wal-Mart und dessen Tochter Sam's Club einem konjunkturellen Abschwung besser begegnen.