Ein Fußballfest sollte es in der vergangenen Woche werden, das Duell der ewigen Rivalen am Kap: Kaizer Chiefs gegen Orlando Pirates. Das ist wie Bayern gegen Dortmund hierzulande. Zu viele wollten mitfeiern, Tausende kamen zu spät. Erst grobes Gedränge, brodelnde Ungeduld, dann Sturm auf das Stadion, Stampede. Am Ende lagen 43 Leichen auf dem Rasen des Ellis Park zu Johannesburg, zertrampelt, erstickt und totgequetscht.

Wer ist verantwortlich? Das Heimteam!, poltern die Pirates. Die Stadionverwaltung!, rufen die Chiefs. Die Polizei!, wettert der Manager des Stadions. Alle anderen, nur nicht wir!, verkündet die Polizei. Die dümmste Ausrede findet der Präsident des Fußballverbandes: Der Sport schlechthin sei anzuklagen. Masse und Unheil, irgendwie. Die wahren Ursachen: Organisationschaos, Profitgier (zu viele verkaufte Tickets) und - Unart afrikanischer Fans - kollektive Unpünktlichkeit.

Konsequenzen? Lehren gar? Keine. Der Ball rollt weiter. Bis zum nächsten Desaster, zum nächsten Schuldabladeritual. Und bis zur nächsten Schlappe bei der Vergabe der Fußball-WM. Wir hören schon die Jeremiade der Südafrikaner: Betrug! Komplott des reichen, arroganten Fußballnordens. So jammert, wer seine Eigentore nicht zählt. ill