Großbritanniens Wahlkampf hat noch gar nicht richtig begonnen, da steht eines schon fest: Die konservative Partei braucht neue Plakate. Ihren schönen doppeldeutigen Slogan aus der letzten Schlacht kann sie vergessen: Labour isn't Working - Labour, das klappt einfach nicht, und Labour, die verstehen nichts vom Arbeitsmarkt. Die Zahl der Arbeitslosen ist zum Jahresbeginn unter die 1,5-Millionen-Marke gefallen - ein Rekordtief. Schon erzählt Tony Blair überall von seiner "modernen Version der Vollbeschäftigung".

Kernstück seiner Politik des Dritten Weges sind nach wie vor die "Welfare to Work"-Programme (raus aus der Sozialhilfe, ran an die Arbeit). Auch wenn die nicht sonderlich originell sind: Das New-Labour-Team hatte sich seine Inspiration bei der konservativen Vorgängerregierung geholt (Pflicht zur Jobsuche) und bei den Wohlfahrtsreformen des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton (Hilfe zur Selbsthilfe).

Heute gibt es auf der Insel sechs so genannte New Deals, die sich bestimmte Problemgruppen am Arbeitsmarkt herauspicken und das Verhältnis von Rechten und Pflichten neu definieren. Junge Arbeitslose im Alter von 18 bis 24 Jahren etwa müssen sich beim Arbeitsamt beraten lassen, eine allgemeine Schulung durchmachen (Wie tippt man einen Lebenslauf?) und sich dann entscheiden - für einen normalen oder subventionierten Job in der freien Wirtschaft, eine einjährige Weiterbildung oder eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Nur Faulenzen ist keine Option: Wer alle Angebote ablehnt, bekommt die Sozialhilfe gekürzt.

Bei den anderen "Problemgruppen" - Behinderte, alleinerziehende Mütter, arbeitslose Musiker, ältere Langzeitarbeitslose - wird die Sache mit den Rechten und den Pflichten lockerer gehandhabt: Strafen sind bisher selten im Programm. Ohnehin gehört zur Peitsche der New Deals auch stets das Zuckerbrot. Die Blair-Regierung macht es den Briten schmackhaft, auch zu Niedriglöhnen in den Arbeitsmarkt einzusteigen. Für Geringverdiener wurden Steuersätze und Sozialversicherungsbeiträge gesenkt, arbeitenden Familien wird das wöchentliche Einkommen aufgestockt.

Ist das Kalkül aufgegangen? Tatsächlich hat Tony Blair schon jetzt sein Wahlversprechen eingehalten, 250 000 junge Leute von der Straße zu holen. Nur hat das nach Ansicht fast aller Experten wenig mit Welfare to Work zu tun.

Und ziemlich viel mit der seit Jahren außergewöhnlich günstigen Konjunktur.

Allerdings muss man hinzufügen, dass Welfare to Work nie als Massenbeschäftigungsprogramm geplant war, sondern als Hilfe für Menschen im Teufelskreis aus Langzeitarbeitslosigkeit, Armut und sozialer Ausgrenzung.