Der Himmel ist eine zerrissene Flickendecke, aber der Regen bleibt in den Wolken. Prinz Charles tritt aus der Tür seiner Stadtwohnung im Innenhof des St.James's Palace und geht stracks zu einem bereitstehenden, dunkelgrünen Vauxhall Omega. Er trägt einen hellgrauen Zweireiher, schwarze Schuhe, ein blaues Hemd und eine Krawatte mit dezentem Sternenmuster - eine zierliche, fast zerbrechlich erscheinende Figur. Hinter der Prinzenlimousine wartet ein identischer Vauxhall mit zwei Beamten der königlichen Schutztruppe. Ein Minibus für das Gefolge reiht sich als drittes Gefährt ein. Das Tor zur Mall öffnet sich. Vier motorradberittene Polizisten verschaffen der Kavalkade mit atemberaubenden Manövern freie Bahn durch das morgendliche Londoner Verkehrsgewühl.

Charles verbringt seine Zeit am liebsten auf seinem Landsitz Highgrove und betreibt organische Landwirtschaft. Nach London kommt er nur zur Arbeit, wie ein Junker in Jane Austens Tagen. Zwei öffentliche Auftritte und etliche private Besuche stehen heute auf dem Programm. Alles ist bis ins kleinste Detail vorbereitet. Jeder Ort, den der Thronfolger besucht, wurde vorher ausgekundschaftet. Der Ablauf jedes Auftritts wurde sorgfältig durchgespielt.

Die privaten Verabredungen sind vorerst geheim, aus Sicherheitsgründen. In der Organisation eines awayday, wie so ein Tag in der Palastterminologie heißt, stehen die Interessen der Sicherheit und ihrer ausführenden Organe an erster Stelle. Dann kommen die des Hofstaats, des Büros. An letzter Stelle steht der Prinz. Er ist die Variable, die unbekannte Größe, dessen Schrullen es in festen Bahnen zu halten gilt.

Der erste Stopp. Die Prince's Foundation, eine von Charles gegründete, alternative Akademie für Architektur und Kunst, für Kunsthandwerk, islamische Glasmalerei und Miniatur. Die Mitarbeiter sind beseelt von liebenswürdigem Feuereifer für ihren Mäzen. Der eine redet von den Zehn Prinzipien, die Seine Königliche Hoheit in einer Vision für Britannien verfasste, als handele es sich um die Zehn Gebote. Der Leiter der islamischen Abteilung preist die der Gemeinschaft verpflichtete, nicht dem Individualismus verschriebene Philosophie, die er hier gefunden habe. Eine Verwaltungsangestellte erklärt stolz, alle Treppen des restaurierten, viktorianischen Fabrikgebäudes, in dem die Stiftung untergebracht ist, seien aus natürlichem Holz - als ob es auch unnatürliches Holz gäbe.

John Prescott, stellvertretender Premier und Minister für Verkehr und Umwelt, trifft ein. Prescott ist ehemaliger Schiffssteward, und als Labour in der Opposition war, pflegte ein Intimfreund des Prinzen, der konservative Staatsminister und Königliche Stallmeister Nicholas Soames, ihn in der Bar des Unterhauses lautstark anzuflachsen: Hei, Johnny, bring mir doch bitte mal einen Gin Tonic! Jetzt begrüßt der Mann aus der Hafenstadt Hull, der trotz niedriger Geburt den Sprung in die höchsten Gefilde der Politik geschafft hat, den Prinzen in exaltiert kameradschaftlichem Ton. Es klingt, als wolle er ihm unmissverständlich zu verstehen geben: Jetzt sitze ich an den Hebeln der Macht.

Charles ist nicht anzumerken, ob der subtile Affront ihn trifft - oder ob er ihn überhaupt wahrnimmt. Ganz im Gegenteil: Er ist die Liebenswürdigkeit in Person. Mit ausgesuchter Aufmerksamkeit kümmert er sich um seinen Besucher.

Sein Anliegen scheint ihm viel wichtiger zu sein als persönliche Eitelkeiten.