Ein neuer Krieg in Nahost? Der lässt sich in dieser Region noch weniger vorab melden als anderswo

alle drei großen Waffengänge - vom Suez- über den Sechstage- bis zum Jom-Kippur-Krieg - begannen als klassische Überraschungsangriffe. Gewiss ist seit dieser Woche nur, dass der Nicht-Frieden zum Vor-Krieg verkommen ist: seit der israelischen Zwei-Fronten-Eskalation gegen Syrer und Palästinenser.

Gewiss ist auch, dass alle drei Seiten mit dem Feuer spielen: die Syrer, indem sie ungerührt zuschauen, wie die proiranische Hizbullah ihren (Stellvertreter-)Raketenkrieg gegen Israel fortführt

die Palästinenser, indem sie mit Mörsern auf eine israelische Stadt in der Nähe des Gaza-Streifens losgehen

die Israelis, indem sie ungewöhnlich hart reagieren - mit Bomben gegen syrische Stellungen im Libanon, mit Panzergranaten gegen Palästinser-Positionen in Gaza. Die "Hunde des Krieges" zerren seit dieser Woche wütend an der Leine

ob sie sich wieder beruhigen, hängt von der Weisheit ihrer Herren ab, und die ist in dieser Gegend so knapp wie das Wasser.

Bloß: Die Herren Entscheidungsträger zwischen Damaskus und Gaza mögen zwar nach westlichen Maßstäben verrückt sein, aber sie sind nicht blöd. Syrien kann sich ohne Ägypten einen Krieg gegen die Klein-Supermacht Israel nicht leisten, und Kairo, das den ganzen Sinai zurückbekommen hat, kann ihn nicht gebrauchen. Arafat mag wohl von einem gesamtarabischen Feldzug gegen die verhassten Zionisten träumen