Inselduell-Moderator Holger Speckhahn weist nur noch den Weg zum Klo. Ein dauergrinsender Pappkamerad des Sat.1-Moderators steht mit einem Hinweisschild im pastellbunten Foyer der Fernsehproduktionsfirma Me, Myself & Eye Entertainment, kurz MME, und kommentiert den Gang der Dinge. Vergangenes Jahr war Reality-Fernsehen à la Big Brother noch die Leibspeise der Fernsehindustrie. Und MME wollte einer ihrer größten Köche sein: mit Inselduell, mit Girlscamp, mit To Club. Noch Ende Januar pries die Commerzbank die kleine Firma MME vollmundig als "Nummer zwei nach Endemol (Big Brother) im deutschen Reality-Show-Markt". Von "explosionsartig wachsenden Erlösen" träumten vergangenen Herbst auch die feinen Warburg-Banker. Mächtig gekracht hat es tatsächlich - aber anders als erhofft.

"Wir wurden vom schnellen Zusammenbruch des Reality-TV überrascht", gesteht MME-Vorstand Christoph Post. Seit dem Riesenreinfall der zusammengestoppelten Proleten-Show Girlscamp (Sat.1) gilt Reality als gründlich durchgekaut, vom Zuschauer verdaut und wieder ausgeschieden. Trotz enormen Werbeaufwands wollten nur lächerlich wenige Zuschauer zehn vulgären jungen Frauen im Hauptabendprogramm beim Zeittotschlagen zusehen. Die unzulängliche MME-Produktion To Club, bei der RTL 2-Kandidaten eine Bar eröffnen sollten, wurde schnell wieder ausgeknipst. Schließlich sagte Sat.1 die zweite Staffel der Reality-Robinsonade Inselduell ab. Drei Flops für MME in kurzer Folge.

"Die Inselduell-Absage ist wirklich tragisch, da gibt es nichts zu beschönigen", gesteht Post. Mittlerweile erscheint das Echte-Leute-Fernsehen, da hat Speckhahns lebensgroßer Pappkollege Recht, als Griff ins Klo.

Berühmt mit "Canale Grande", berüchtigt durch "peep!"

So prägnant würde es jedenfalls der 48-jährige Jörg Albert Hoppe - dem Idiom seiner 14- bis 29-jährigen Zielgruppe verpflichtet - ausdrücken, wenn der MME-Gründer es denn zugeben würde. Doch obwohl Mitarbeiter berichten, wie schwer dem Girlscamp-Erfinder das Debakel an die Nieren gegangen sei, steht Hoppe nach außen wacker zu der Sendung. Für die Auswahl der "strunzlangweiligen Kandidatinnen" sei vor allem Sat.1 verantwortlich: "Ich sehe keinen Grund, mich von Girlscamp zu distanzieren." Das kann er wohl auch schlecht. Schließlich muss er in diesem Jahr noch ein bis zwei neue Real-Life-Formate an die Sender bringen, denn seine Firma hat die Planung 2001 darauf abgestellt. Sie will den Umsatz auf knapp 100 Millionen Mark verdoppeln und - nach 5,5 Millionen Verlust im letzten Jahr - wieder bescheidenen Gewinn ausweisen.

Das ist auch dringend nötig. Seit vergangenem November notiert die Aktiengesellschaft an der Börse, die mit dem frechen Vox-Medienmagazin Canale Grande in der Branche einst berühmt und später mit peep! in der Öffentlichkeit berüchtigt wurde. Nach der Devise "Wir waren nicht mehr ganz jung und brauchten das Geld" machte MME gerade noch rechtzeitig Kasse, bevor die New Economy zusammenbrach. Für Aktionäre ein miserables Geschäft: Wer vergangenen November den Ausgabekurs von sieben Euro bezahlt hat, hätte zum zehnten MME-Geburtstag vergangene Woche noch nicht mal zwei Euro zurückbekommen.

Die Börsianer wussten von Anfang an, dass es bei der Bewertung von MME wesentlich auf die so genannten Soft-Faktoren (Warburg Investment Research) ankommt. Vor allem der fixe Fernsehmann Jörg Hoppe ist solch ein weicher Faktor. Seit er in den achtziger Jahren als Manager der Band Extrabreit eine "Badewanne voll Geld" verdient hatte, lässt er es flimmern und rauschen. Bis heute ist der ehemalige Musikchef des Pleitesenders Tele 5 das Über-Ich der "Ich-Ich-und-Auge"-AG. Die von ihm mit den ehemaligen Kollegen Christoph Post und Marcus Rosenmüller 1991 gegründete Firma, der ein De-La-Soul-Hit den sperrigen Namen gab, ist rasant gewachsen. 1995 stieg der Bauer-Verlag ein.