Das Leiden in Südafrika ist unerträglich: Jeder fünfte Erwachsene trägt das Aids-Virus in sich, viele Kinder kommen HIV-infiziert zur Welt, täglich sterben Menschen an der Krankheit. Medikamente gegen Aids können sie sich nicht leisten.

Dabei könnte alles so einfach sein: Indische Arzneifabriken stellen billige Kopien der teuren westlichen Medizin her und würden das Land am Kap nur zu gerne beliefern. In Südafrika gibt es sogar ein Gesetz, das es erlaubt, Patente zu umgehen, wenn das der nationalen Sicherheit dient.

Doch gegen dieses Gesetz wehren sich die 40 größten Pharmaunternehmen. Sie haben einen Prozess in Pretoria angestrengt. Wie immer das Verfahren, das Mitte dieser Woche wieder aufgenommen werden sollte, ausgeht - in den Augen der Öffentlichkeit haben die Kläger schon verloren. Das Urteil ist klar: Die Multis sind Schurken, und die indischen Produktpiraten die Robin Hoods.

Doch ganz so einfach ist es nicht. Denn kurzfristig können auch Raubkopien Südafrikas Probleme nicht lösen. Und langfristig werden sie die Ungerechtigkeiten im Geschäft mit der Gesundheit noch verstärken.

Wie kommt das? Die Nachahmer-Präparate aus Indien sind zwar billiger als die Originale. Für die meisten Südafrikaner aber bleiben sie unerschwinglich. Die Regierung am Kap kann für die Gesundheitsversorgung pro Bürger und Jahr weniger Geld aufbringen, als wir uns einen Kneipenbesuch kosten lassen. Die Hilfe muss von anderswoher kommen, von den Reichen dieser Welt. Da liegt es nahe, an die Arzneimittelindustrie zu denken. Tatsächlich haben die Pharmamultis - der Ruhmlosigkeit ihrer Patent-Kampagne bewusst - jüngst Rabatte für Südafrika beschlossen. Geld werden sie am Kap kaum verdienen.

Könnten sie die Patente dann nicht gleich freigeben?

Das Geschäft mit der Gesundheit ist ungerecht