Schockierend! Das familienfreundliche Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Pflegeversicherung hat es verraten: Da haben unsere Sozialpolitiker, jahrzehntelang, bei den Hausaufgaben geschummelt, einfachste Grundkenntnisse - glatte Sechs! Nachlesen: bei Bernhard Jans, André Habisch, Erich Stutzer (Hrsg.): Familienwissenschaftliche und familienpolitische Signale (Max Wingen zum 70. Geburtstag, Vektor Verlag, Grafschaft 2000 687 S., 58,- DM) sezieren namhafte Wirtschafts- und Sozialexperten das Thema Geld- und Zeitaufwand für die Erziehung eines Kindes als Grundlage des Humankapitals, Sozialisationserfolge der Familie als Basis einer effizienten Wirtschaft, Einkommensverluste einer akademischen Vollzeitmutter (circa 500 000 Mark in zehn Jahren), Leistung der Familie für die Vernetzung der Menschen und: "Indifferenz nahezu aller gesellschaftlichen Regelungen" gegenüber dem L eben mit Kindern. Sieht nicht so aus, als sei das Klassenziel Familienfreundlichkeit mit ein bisschen Retusche bei Rente und Pflege zu erreichen. Den Bezug zwischen Kinderwunsch, Familienform und Sozialpolitik erhellen Aufsätze in dem Bändchen Erwerbstätigkeit und Familie in Steuer- und Sozialversichungssystem, das Irene Dingeldey herausgegeben hat: (Verlag Leske + Budrich, Opladen 2000 194 S., 44,- DM). Die deutsche Sozialpolitik erweist sich als Anreiz, mütterliche Erwerbstätigkeit zu unterbinden, was die Entscheidung für ein Kind beschwert. Die Belastung junger Eltern, ja der Ehen durch familienfeindliche Arbeits- und Lebensformen untersucht Wassilios E.

Fthenakis in einer Langzeitstudie: Wenn aus Partnern Eltern werden (2 Bde., Leske + Budrich, Opladen 1999 48,- DM), ein Zeugnis des zähen Ringens um das private Glück. Robert Hettlages Familienreport (Eine Lebensform im Umbruch C. H. Beck, München 1992 303 S., 24,- DM) ist immer noch ein kluges Buch darüber, wie Familie in der Moderne aufgerieben und zugleich begehrt wird, als Hort der Zuflucht, begehrt in dem Maße, da Sicherheiten schwinden, am Arbeitsplatz, ja, eben auch in der Liebe.