Was für ein Auftrag! So etwas ist Petter Yran noch nicht untergekommen. Und das will etwas heißen, denn der 57-jährige Norweger ist ein Veteran in seinem Geschäft. 1969 verließ er die Technische Hochschule in Zürich als Architekt, weil er es langweilig fand, Landbauten zu errichten. Er machte Karriere als Schiffdesigner. Yran hat inzwischen an die 90 Kreuzfahrtdampfer und Luxusjachten entworfen, und besonders bei den Schiffen der Klasse Five Star Plus kennt er sich aus. Schwimmende Luxushotels, die Multimillionäre um die Welt schippern und ihre ausgefallensten Wünsche wahr werden lassen.

Drum kannte Petter Yran auch gleich den Auftraggeber: Knut Kloster junior, den jüngsten Sprössling eines alteingesessenen Kreuzfahrer-Clans aus Oslo.

Dessen Vater hatte in den frühen sechziger Jahren mit billigen Karibiktrips das Kreuzfahrtgeschäft für die Massen mitbegründet, doch Kloster junior hatte einen ganz anderen Plan. Er wollte, dass Petter ihm ein Schiff voller luxuriöser Eigentumswohnungen plant - für Multimillionäre, die nicht mehr an einem bestimmten Ort oder in einem bestimmten Land wohnen möchten. Ein Domizil für eine handverlesene Kundschaft, die sich auf hoher See und in den schönsten Häfen der Welt zu Hause fühlen will.

An Bord lässt es sich arbeiten wie im Büro eines Konzerns

Weil Knut Kloster ein beharrlicher Mensch mit exzellenten Kontakten zu Risikofinanziers ist, steht das elegant geschwungene Schiff jetzt nicht mehr bloß als Modell in Petter Yrans Atelier: Die World of ResidenSea liegt als ein gewaltiger, stahlgrauer Bottich vor der Küste Norwegens und bekommt gerade 110 Eigentumswohnungen mit durchschnittlich 140 Quadratmeter Grundfläche eingebaut. 90 Appartements sind schon verkauft, pro Wohnung für mehr als zwei Millionen Dollar. An den Verwaltungsratschef aus der Schweiz, den Dotcom-Millionär aus San Francisco, an den Kunstsammler aus Oslo und den Erfolgsautor aus Lateinamerika

wohlhabende und sehr wohlhabende Menschen zwischen 30 Jahren und Greisenalter aus Deutschland, Europa, den Vereinigten Staaten, Mexiko und Hongkong. "Meine Frau und ich sind außerordentlich zufrieden mit der Art von Leuten, die unsere Nachbarn werden", sagt Peter Beckwith, einer der Käufer, ein 55-jähriger Brite, den Fitness-Studios reich gemacht haben.

Im kommenden Januar stechen sie alle gemeinsam in See, zusammen mit ihren feinen Teppichböden und antiken Möbeln, den zwei Schwimmbädern, den beiden Decks voll von Restaurants und Cafés, den 250 Matrosen und Dienstboten. Sie haben einen Tennisplatz und eine Konzerthalle für klassische Musik an Bord, einen Supermarkt und eine Wäscherei, einen Operationssaal und zwei Särge, Kanonen gegen Piratenangriffe, Gästezimmer für Geschäftsfreunde und Personal.