die zeit: Sie sind Professor an der Uni Oldenburg und anderthalb Jahre mit dem Wohnmobil durch Europa gereist - war das Forschung?

Rainer Krüger: Ein reines Urlaubsvergnügen war es nicht, denn ein Merkmal der Wohnmobilreisen ist ja unbekümmertes Sich-treiben-Lassen. Ich dagegen habe mich bewusst auf die Spur der Reisenden zum Nordkap oder der Überwinterer in Spanien gesetzt. Schließlich wollte ich wissen, was die Motive und Verhaltensweisen der Wohnmobilreisenden sind, und sie dazu befragen. Manchmal fühlte ich mich wie ein Handelsvertreter - aber ich bin nur zweimal abgewiesen worden. Reisemobilfahrer sind meistens kommunikativ.

zeit: Wie kamen Sie auf die Idee, die Wohnmobil-Reisekultur zu erforschen?

Krüger: In den Siebzigern und Achtzigern bin ich selbst mit umgebauten VW-Bussen und Klein-Lkw in den Urlaub gefahren, mit unserem vier Monate alten Sohn bis an den Rand der Sahara zum Beispiel. Etwa 1,1 Millionen Deutsche machen so Urlaub, also etwa jeder achtzigste. Es gibt 440 000 Wohnmobile in Deutschland - aber es existiert keine sozialwissenschaftliche Studie zu dem Thema. Außerdem wollte ich einmal ein Forschungsprojekt ganz alleine durchführen, bei dem ich mich bewege und Neues kennen lerne. Wie ein Privatgelehrter.

zeit: Gibt es erste Ergebnisse?

Krüger: Die 80 Tiefeninterviews zeigten, dass Freiheit ein ganz zentrales Motiv ist. Genau das wird auch in den Broschüren der Wohnmobilhersteller vermarktet. Meine Fragestellung ist jetzt: Was heißt denn frei sein in einer Gesellschaft, die keine völlige Freiheit erlaubt?

zeit: Wer reist bevorzugt mit dem Wohnmobil?