Diethelm Petermann zeigt Mitleid. "Viele von Ihnen quälen sich tagaus, tagein, machen Karriere und verdienen viel Geld, doch zum Schluss bleibt nicht viel übrig", erzählt er seinen Seminarteilnehmern. Genau das will der ehemalige Bankdirektor aus Bayreuth ändern mit seinem Nachhilfeunterricht im Fach Finanzplanung. Schließlich investieren vor allem wohlhabende Bundesbürger jedes Jahr zweistellige Milliardenbeträge in unsinnige, verlustreiche oder gar betrügerische Geldanlagen - animiert von schönen Hochglanzprospekten und beredten Verkäufern. Die aber haben häufig weniger die finanziellen Interessen ihrer Kunden als vielmehr die Mehrung des eigenen Wohlstands durch satte Provisionen im Blick. Und allzu oft leichtes Spiel bei einer Klientel, die zwar Geld, aber allzu oft wenig Ahnung von Zinseszins- und Renditeberechnungen hat.

Petermann bietet in seinen Seminaren Hilfe zur Selbsthilfe. In mehreren deutschen Städten hält der Experte eineinhalbtägige Finanz-Power-Trainings für Privatleute ab, die ihr Geld vernünftig und möglichst gewinnbringend anlegen wollen. Die Kosten für das Intensivtraining liegen bei rund 1500 Mark. Wer weitergehende persönliche Beratung sucht, kann den Experten auch stundenweise buchen. 400 Mark und mehr kostet eine Vermögensanalyse mit entsprechenden Empfehlungen.

So wie der Bayreuther Experte entdecken auch andere Finanzfachleute die Vermögensberatung gegen Honorar als Marktlücke. Zum Beispiel Jens Heinneccius, Mitbegründer und Vorstandschef von Sineus, einem jungen Beratungsunternehmen aus Hamburg (Telefon: 0800/074 63 87). Heinneccius hat seinen gut dotierten Job als Direktor des Private Banking beim Kölner Bankhaus Sal. Oppenheim an den Nagel gehängt. Sineus arbeitet unabhängig und empfiehlt ein Produkt nur, wenn es wirklich sinnvoll für den Kunden ist, und nicht, weil eine schöne Provision etwa einer Versicherung winkt, wenn der Berater seinem Klienten deren Police verkauft. Von Provisionen leben bislang aber die meisten Finanzberater, egal, ob sie nur die Produkte eines Anbieters vertreiben oder als firmenungebundene, selbstständige Berater aktiv sind. Wer beispielsweise Fondsanteile für 50 000 Mark verkauft, erhält im Schnitt 2000 Mark. Eine Lebensversicherung über eine Summe von 100 000 bringt dem Vermittler rund 3500 Mark. Diese Provision stellt das Unternehmen selbstverständlich dem Kunden in Rechnung.

Doch billiger ist es auch am Banktresen nicht. Und selbst die Online-Anbieter von Finanzdienstleistungen verzichten nicht immer auf hohe Vertriebsmargen, obwohl der Kunde in diesem Fall keinerlei Beratung in Anspruch nimmt. Die Honorarberatung kommt vor allem bei der betuchten Kundschaft gut an.

Schließlich rechnet sich die Optimierung des privaten Vermögens bei großen Summen umso mehr.

Die Stunde kostet zwischen 200 und 400 Mark

Der Trend zur Honorarberatung hat sogar schon zu einem neuen Berufsbild geführt. In Deutschland gibt es etwa 450 angestellte und freiberufliche Finanzplaner, die über das Gütesiegel Certified Financial Planner (CFP) verfügen. Dahinter steckt eine anspruchsvolle Ausbildung, die der Finanzplaner häufig bei der anerkannten European Business School in Oestrich-Winkel absolviert hat. Alle CFP müssen unterschreiben, dass ihre Beratung vollständig, richtig und unabhängig zu sein hat. Wer die Fachleute in Anspruch nimmt, muss mit einem Stundensatz zwischen 200 und 400 Mark rechnen.