Die heißen Träume sind lange schon erkaltet, nur ein Turmhaus steht noch, reckt sich mächtig wollend in den Magdeburger Himmel und kündet davon, dass auch hier einst an einer besseren Welt gebaut wurde. 1930 bis 1932 hatte der Architekt Paul Schäffer-Heyrothsberge das stolze Faber-Hochhaus gleich hinter dem Bahnhof errichtet. Kantig und damals noch eingehüllt von einem strahlenden Travertinmantel, brach es hinein in die gewachsene Enge der alten Stadt, ein Fanal der Fortschritts. Während der Weimarer Republik waren überall in Deutschland solche Himmelshäuser emporgetrieben worden, und nicht selten zogen Zeitungsverlage ein, denn sie erkannten sich wieder in dieser Architektur, die als Künder des Neuen auftrat und sich unübersehbar machen wollte. In dem Turmgebäude zu Magdeburg residiert noch heute ein Medienunternehmen, der Heinrich Bauer Verlag, doch hat der mit dem Visionären nichts im Sinn. Er will das Hochhaus mit seinem wunderbaren gläsernen Treppenturm abreißen, obwohl es unter Denkmalschutz steht angeblich sei der Unterhalt zu teuer. Dabei ist die Bedeutung eines solchen Denkmals gänzlich unbezahlbar, zumal in einer Stadt, die stolz sein kann auf ihre mittelalterlichen Kirchenschätze, sonst aber vor allem ein Zeugnis der Kriegs- und Nachkriegszerstörung abgibt. Wenn Magdeburg es nun zulassen sollte, dass selbst eine der letzten historischen Stadtmarken ausgelöscht wird, wäre zwar auch das ein Fanal. Diesmal allerdings eines der Selbstaufgabe.