Man hat sie eine problematische Natur genannt, vielleicht, weil sie sich in die wachsende Geschwisterschar daheim nur schwer einfügte, vielleicht auch, weil sie unverheiratet blieb. Oder weil sie geistvoll, selbstbewusst und sprachgewandt und dazu noch scharfzüngig war.

Dies alles aber gefiel ihrem ältesten Bruder. Ganz besonders verband die beiden ihre Liebe zur Musik, in der ihr Bruder Unterricht bekam, sie aber nicht, jedenfalls nicht im Komponieren, das sie jedoch besonders reizte. Und da half ihr der Bruder, wie aus einem Brief hervorgeht, in dem sie ihm schrieb: Ich versichere Ihnen, mein lieber Bruder, daß ich mir alle Mühe der Welt gebe, das was Sie mich gelehrt haben, gut zu behalten

aber meine Kehle ist so impertinent gewesen, daß ich nicht einmal mehr singen konnte. Da war sie 14 und übte schon ganze Tage lang auf dem Clavecin, was immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen mit ihrer Schwester Ulrike führte, mit der sie das Zimmer teilen musste.

Mit den anderen Geschwistern geriet sie aber ebenso oft in Streit, manchmal auch mit ihrem musikalischen Bruder, wenn er mit ihren Kompositionen nicht zufrieden war und sie sich zu verteidigen versuchte: Meine Stunden vergehen im Wohlklang einer himmlischen Harmonie. Sie, mein lieber Bruder, machen sich über meinen Enthusiasmus lustig, aber die Musik ist immer meine größte Leidenschaft gewesen.

Doch auch sie konnte musikalische Stücke anderer verreißen, zum Beispiel so: Ich stelle mir vor, mein Herr, daß er sich versehen und statt seiner Arbeit Mir das musikalische Notengekläckere seines Kindes geschickt, dieweil ich nicht die allergeringste wissenschaftliche Kunst darin bemerket, hingegen von Anfang bis Ende durchgängig fehlerhaft ... Der Modus contrarius ganz hintenangesetzt, keine Harmonie, kein Gesang, die Terze ganz ausgelassen ..., keine Harmonischen Nachahmungen ..., nicht den allergeringsten Kontrapunkt, und das soll Musik heißen!

Ihren eigenen Kompositionen scheint sie nicht weniger kritisch gegenübergestanden zu haben

jedenfalls hat sie viele ihrer Handschriften vernichtet. Sie war, schreibt Eva Weissweiler, überaus selbstkritisch und trat mit ihren Werken kaum an die Öffentlichkeit. Sie kränkelte viel, und später verlor sie infolge einer Kehlkopferkrankung ihre schöne Gesangstimme.