Unter der Allmachtsideologie des ultraliberalen Marktes, die im Begriff ist, die ganze Welt zum Spielfeld einer einzigen und ausschließlichen Triebkraft zu machen, nämlich die der ökonomischen Interessen, "entsorgt" unsere zivilisierte Gesellschaft (zivilisiert bedeutet übrigens im Ursprung: "die verfeinerte Lebensweise und Gesittung...") Millionen von Kreaturen und bedient sich dabei eines unsäglich kaltschnäuzigen, verrohten Technokratenvokabulars, das offensichtlich erfolgreich dem Eindruck Vorschub leistet, wir hätten es mit einem unbelebten Industriegut zu tun. Worte wie Verantwortung, Mitleid, Fürsorge, Pflege hören wir selten im Zusammenhang mit der Kreatur, bestenfalls im Zusammenhang mit dem Markt.

Betrachten wir die Spezies Mensch als reinen Wirtschaftsfaktor, so ist es nachgerade folgerichtig, ja unabdingbar, zum Beispiel soziale Sicherungssysteme, die eh nicht nach Marktgesetzen funktionieren, kontinuierlich abzubauen (Beispiel: Alte, Kranke, Behinderte sind lästige Kostenfaktoren und so gesehen dem Markt wenig dienlich), die Menschenzucht mit modernster Gentechnologie zügig voranzutreiben (gibt es ein Gen, welches die menschliche Marktkompatibilität fördert?), ja vielleicht findet es sogar Zustimmung, das Heer von Arbeitslosen (faul und marktschädigend) durch Beseitigung in den Griff zu bekommen? Ganz im Sinne des Marktes, der Marktzwänge, versteht sich. Welch geniale Idee, übertragbar auf eine Vielzahl anderer ärgerlicher Probleme mit den verschiedensten Personengruppen.

Marlene Knobloch, Bonn

Was uns Bauern noch helfen könnte, wäre folgendes Szenario: Alle Klauentiere Europas bekommen schnellstmöglich die MKS. Nur so etwas könnte den Wahnsinn stupider Morde stoppen. Die Tötungsmaschinerie wäre überfordert, und die Krankheit müsste und könnte das tun, was sie immer getan hat, irgendwann einfach ausheilen. Was augenblicklich passiert, ist nicht Mittelalter, es ist Neuzeit pur

so verrückt und panisch zu reagieren hätte damals einfach das Leben gekostet. Die Moderne aber hat heute den Bezug zur Natur verloren. Was jetzt abläuft, das soll zivilisiert sein, soll etwas mit Kultur zu tun haben?

"Wo ich irgendwelches Leben schädige, muss ich mir darüber klar sein, ob es notwendig ist. Über das Unvermeidliche darf nichts hinausgehen, auch nicht in scheinbar Unbedeutendem." So schreibt Albert Schweitzer in seiner Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben. Diese Kulturphilosophie könnte in ihrer Einfachheit Richtschnur dieses Europas sein. Stattdessen sinnloser tausendfacher Mord, begründet mit dem faden Geschmack wirtschaftlicher Interessen. Und ebendiese wirtschaftlichen Interessen sind globalster Natur, ja sie können gar nicht global genug sein. Gleichzeitig aber, und darin liegt die Schizophrenie, haben Viren in dieser Globalität nichts zu suchen. Sie werden einfach geleugnet, sie haben nicht da zu sein, wir haben eine virenreine Insel zu sein, per Verordnung. Da sich aber die Natur nicht daran hält, schlägt man sie tot, so einfach ist das.

Herbert Ernst Kraichtal/Gochsheim