die zeit: Herr Straub, immer mehr Politiker, Bauernvertreter und auch die Landwirte selbst fordern eine flächendeckende Impfung gegen die Maul- und Klauenseuche. Sie sind vehement dagegen. Warum?

Otto Christian Straub: Eine Flächenimpfung bringt nichts. Sie ist nicht sicher genug. Wir hatten während der flächendeckenden Impfungen in den Ländern, die diese Kampagnen durchgeführt haben, deutlich mehr MKS-Fälle als in Ländern ohne Impfprogramme. 1970 standen 735 Fälle bei Impfprogrammen 29 Fällen ohne Impfung gegenüber, 1980 war das Verhältnis 697 : 0.

zeit: Das ist erstaunlich, woran lag das?

Straub: Zum Teil waren die Impfviren, mit denen man die Tiere zu immunisieren versuchte, nicht hinreichend abgetötet. Es sind aber auch nachweislich Viren aus den Labors entwichen, in denen der Impfstoff hergestellt wurde.

Vollständig vergessen wird inzwischen, dass bei den Flächenimpfungen auch allergische Reaktionen zum Teil mit Todesfolge aufgetreten sind, sodass in den achtziger Jahren die Landwirte sogar die Einstellung der Impfung forderten.

zeit: Die verschiedenen Fraktionen, die heute Flächenimpfungen fordern, müssten als Agrarexperten solche Fakten doch kennen.

Straub: Es gibt nur wenige, die sich an den großen Seuchenzug 1965/66 erinnern. Damals hat man zunächst zum falschen Impfstoff gegriffen. Man hat also zweimal impfen müssen, um überhaupt einen kurzfristigen Schutz zu erzeugen und den Seuchenzug zu stoppen.