Die Geschichte ist simpel: ein Abstieg. Mona, die nette junge Frau von nebenan, verheiratet, ein Kind, ein Job, erkennt plötzlich, dass es mehr gibt als das Glück im Winkel: eine glänzende Welt, in der schwerreiche Herren betörenden Damen den Hof machen und die Kugel um das Rouletterad klackert.

Sie lässt sich zum Spiel verführen. Bald ist sie süchtig. Auf den (manipulierten) Gewinn folgen Verluste. Mona kann nicht mehr aufhören. Sie stiehlt. Als sie das Sparbuch ihrer Tochter plündert, begreift ihr Mann, was es geschlagen hat, und wirft sie raus. Mona ist ganz unten. Um ein Haar endet sie als Gelegenheitshure neben den einarmigen Banditen.

Der Film mit der simplen Story ist dabei doch von diffiziler Machart. Er will etwas ganz Besonderes: die Geschichte einer Sucht erzählen, die keine direkte körperliche Grundlage hat und doch die gleichen Auswirkungen wie eine Droge.

Da Mona (zunächst) nicht trinkt und nichts einwirft, glaubt sie sich frei - und ist doch gefangen vom Rausch des Risikos. Die schwierige Aufgabe der Vermittlung und Bebilderung dieser Art von Abhängigkeit haben Jorgo Papavassiliou (Regie) und Petra Rose (Buch) bravourös gelöst. Sie verzichten auf jede Art verbaler Erklärung, inszenieren vielmehr die Verlockung, den Leichtsinn, den schnell wieder aufgegebenen Widerstand und das verzweifelte Zappeln und Stöhnen in der Falle durch suggestive Bilder.

Im Mittelpunkt steht das Roulette, es fasziniert und verwirrt die hilflose Mona, es blendet und narrt, beglückt und vernichtet sie. Die Schlüsselszene, in der Mona von der Atmosphäre des Casinos verführt wird, kommt ganz ohne Worte aus.

Mit Franziska Petri stand den Filmemachern eine Schauspielerin von Format zur Verfügung: statuarische Schönheit am Spieltisch, patente Gefährtin zu Hause - sie zieht alle Register, ihre Lügen überzeugen sogar den Zuschauer. Auch als sie sich schließlich verkauft, um weiter spielen zu können, zerstört das galoppierende Melodram nicht die Plausibilität der Figur: Mona ist immer noch der Mensch, der von der großen Welt geblendet ist und nicht sehen kann, was mit ihm passiert. Und so ist das Mitgefühl des Publikums ihr bis zum Schluss sicher.

Auf die Titelerfinder in der RTL-Redaktion erstreckt sich dieses Mitgefühl allerdings nicht. Der sehenswerte Film schreckt durch seine idiotische Ankündigung just jenes anspruchsvolle Publikum ab, das hier nicht nur für Quote, sondern auch für die verdiente Anerkennung sorgen könnte. Im Arbeitstitel hieß das Drama Lady Luck, ein klangvoller Name, der die Sache trifft. Der moralische Oberton, den der Film verdienstvollerweise nirgends anschlägt, wurde ihm per Programmtitel nachträglich draufgepappt - nur damit, so wohl das Kalkül, ein paar frustrierte Hausfrauen zusätzlich einschalten.