Die Zeit um sich herum vergessen? Von wegen! Nicht hier im Teufelhof, zumindest nicht in Zimmer 8. Dort hängt die ZEIT nämlich gleich dutzendfach von der schrägen Decke, eingespannt in weiße Zeitungshalter. Und jede Woche kommt die aktuelle Ausgabe hinzu. Die vergangenen Jahre liegen gebündelt auf dem Boden, am vergilbten Papier sieht man, wie rasend schnell die Zeit und die ZEIT vergehen. Wochenblätter - Jahreszeiten steht auf meiner Tür, und nur zu gerne wüsste ich, welche Installationen sich hinter den anderen Namen verbergen. Alle drei Jahre werden die acht Zimmer des 1989 eröffneten Kunsthotels neu gestaltet, zuletzt zum Thema Zeit. Gemeinsam aber ist allen Zimmern (auch denen des vor vier Jahren hinzugekommenen Galeriehotels mit wechselnden Ausstellungen) die fast asketische Einrichtung. Keine Minibar, dafür freundlicher Zimmerservice. Auch ein Fernsehgerät wird nur auf Verlangen gebracht, was, so erfahre ich, allenfalls bei Fußball-Endspielen vorkommt. Stattdessen finde ich auf meinem Nachttisch einen Band mit Erzählungen von Harold Brodkey. Überhaupt ist im Teufelhof alles ein wenig anders - das hat man sogar schriftlich. Nach jahrelangen Prozessen um das Recht, Alkohol auszuschenken (damals limitierte eine Bedürfnisklausel die Zahl der Bewilligungen), bestätigte das Bundesgericht dem Teufelhof seine Andersartigkeit. Und so verwöhnt heute zur Essenszeit neben der exzellenten Küche mit täglich wechselnder Karte ein beeindruckender Weinkeller den Gaumen. Aber auch nüchtern kann man sich beinahe verirren im Treppenlabyrinth der vier Altstadthäuser, die zum Teufelhof umgebaut wurden. Da gibt es schattige Innenhöfe, eine intime Bar, ein Café und sogar ein Kleintheater, in dem regelmäßig Kabarettisten gastieren. Kein Wunder, sind doch die Besitzer vor Zeiten mit ihrem Schiefen Theater selbst durch die Lande gezogen, nun subventionieren sie mit ihrer Gastronomie die kulturellen Darbietungen anderer. Wer Zeitkritisches nicht mag, dem kann der Abstieg in den Keller zur Zeitreise geraten. Reste der Stadtmauer und eines Wehrturms aus dem 11.

Jahrhundert sieht man dort, davor in Vitrinen Fundstücke aus 1000 Jahren, die man beim Umbau entdeckt hat: ein hauseigenes Museum. Warum jeder Gast trotzdem einen Pass erhält, der zum Eintritt in Basels Museen berechtigt (und davon gibt es beachtliche 30), bleibt ein Rätsel. Zumal man ja dazu eine Zeit lang den Teufelhof verlassen müsste. Aber für heute ist erst einmal Schlafenszeit. Natürlich ganz oben unterm Dach, in Zimmer 8, wo ein Himmel voller Zeit auf mich wartet.

Der Teufelhof Basel, Leonhardsgraben 49, CH-4051 Basel, Tel. 0041-61/261 10 10, Fax 261 10 04, Internet: www.teufelhof.com