Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort zu halten und Liebe zu üben und demütig sein vor deinem Gott." Am Ende des Interviews zitiert Dan Coats diesen Satz, sein Lebensmotto, für ihn ist das etwas ganz Alltägliches. Gerne betont der große, schlanke Mann mit dem silbrigen Haar, dass Religion für sein Leben von grundlegender Bedeutung sei. Einem christlichen Magazin gestand er sogar einmal, der berühmte Prediger Chuck Colson habe ihn davon überzeugt, mit seiner Karriere künftig Gott zu dienen.

Nein, Dan Coats bewirbt sich nicht als Pfarrer. Als amerikanischer Botschafter will der bislang außenpolitisch wenig profilierte Politiker vielmehr künftig in Berlin die Bush-Regierung vertreten. Und weil diese sich die religiös-moralische Erneuerung des Landes auf ihre Fahnen geschrieben hat, liegt Coats plakative Religiosität im Trend der Zeit. Doch nicht nur das macht den ehemaligen Senator zum perfekten Repräsentanten der neuen Regierung - kurzzeitig war er sogar als Verteidigungsminister im Gespräch.

Der ruhige, nie aufbrausende 57-Jährige hat zudem das passende Alter, das richtige Geschlecht, die rechte Überzeugung, und wie die meisten anderen Mitglieder des engeren Bush-Teams kennt er den Präsidenten sowie - wichtiger noch - dessen Vize seit Jahren. Man teilt gemeinsame Freunde, Bekannte und Mitarbeiter. Kurz: Coats verkörpert Werte, Weltanschauung und Lebensstil des Neuen in Washington. Nur die Ölmillionen fehlen ihm.

Coats ist der Moses des "mitfühlenden Konservatismus - er führte ihn aus der Wüste", preist Marshall Wittmann vom Hudson-Institut, einem konservativen Think Tank aus Indianapolis, den Botschafter in spe. Tatsächlich grübelte der "denkende Konservative" bereits über die neue Mode-Ideologie der Regierung, bevor George W. Bush sie überhaupt buchstabieren konnte. Und schon Ende der achtziger Jahre kämpfte er im Kapitol gegen den Widerstand seiner Partei dafür, eine neue Sozialpolitik auf die Tagesordnung zu setzen: Man müsse den Armen zeigen, "dass wir uns um sie sorgen", forderte er und stellte sein "Projekt für Amerikas Erneuerung" vor, das unter anderem die Förderung armer Familien vorsah.

Parteiinterne Gegner warfen ihm daraufhin vor, er zerstöre die konservative Revolution.

Coats hält mit der Bibel dagegen.

Er kürt kurzerhand das Gebot der Nächstenliebe zum politischen Programm - und leitet aus dem biblischen Imperativ seine komplette Neuorientierung der Sozialpolitik ab: Bedürftigen soll danach zunächst von der eigenen Familie - und dann von den Kirchen, Hilfswerken und Initiativen geholfen werden. Damit es nicht an den Finanzen mangelt, sollen die Bürger zum einen weniger Steuer zahlen und zum anderen einen Teil ihrer Steuerlast nicht an den Staat abführen, sondern gleich an soziale Einrichtungen wie etwas das Rote Kreuz zahlen.