Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul zählt zu den kleinen Überraschungen der Bundesregierung. Die "Rote Heidi", anfangs belächelt als fleischgewordene Frauen- und Strömungsquote, mauserte sich zu einem mittleren Aktivposten des Kabinetts. Schröder goutierte vor allem die internationale Bühne, die Heidi für ihn bereitete. Ob auf dem Afrika-Europa-Gipfel in Kairo oder auf dem UN-Millennium-Gipfel in New York - im rhetorischen Einsatz gegen die Armut in der Welt gefiel sich der Kanzler.

Andererseits will Schröder auch als Mann der Taten wahrgenommen werden. Und weil die sich nicht erkennen lassen, beginnt Heidis Stern im Kanzleramt zu sinken.

Das neue Heidi-Bild kristallisiert sich in einem Kabinettsvermerk zum Aktionsprogramm 2015, auch bekannt unter dem wenig bescheidenen Titel: Der Beitrag der Bundesregierung zur weltweiten Halbierung extremer Armut. Das Programm der Ministerin, heißt es fett gedruckt, "wirft die Frage auf, was tun wir wirklich und sehr konkret zur Verringerung der Armut?". Mit einer - für Amtsverhältnisse - beachtlichen Häme fährt der Vermerk fort: "Selbst in der Zusammenfassung (des Programms, Anm. d. Red.) ist die Chance nicht unbedingt genutzt worden, politische Akzente und Highlights zu setzen."

Süffisant erwähnt der Vermerk das Textvolumen und die Entstehungsdauer des Programms ("ein halbes Jahr intensiv gearbeitet"), um schließlich einen "kritisch zu beurteilenden Konkretisierungsgrad" zu bemängeln. Aus dem Amtsdeutschen übersetzt, heißt das so viel wie: Geschwafel. Entsprechend fällt die Empfehlung an den Kanzler aus, das "Nationale Dialogforum" zur weiteren Ausarbeitung des Programms nicht unter das Dach des Kanzleramts zu holen.

Eine Überraschung bis zuletzt bleibt die neue FDP-Generalsekretärin. Mit dem Instinkt des Eventpolitikers fütterte Guido Westerwelle, FDP-Chef in spe, die Presse über die nachrichtenarme Osterzeit mit immer neuen Hinweisen. Eine Kandidatur, inszeniert als Schnitzeljagd.

Umsonst ist ein solches Versteckspiel nicht zu haben. Mit jedem Tag sinkt die Wahrscheinlichkeit, einen zwingend geeigneten Kandidaten präsentieren zu können. Dagegen wächst - da hat sich die "neue FDP" nicht geändert - der Verdacht, dass bis zur letzten Sekunde macht- und personalpolitisch taktiert wird. Eine Generalsekretärin - denn eine Frau soll es sein - als abgeleitete Größe.

Für Birgit Homburger, eine der letzten Kandidatinnen, sprach ihre Jugend und ihr Fachgebiet, die Ökologie, das die FDP gern den Grünen streitig machen möchte. Für Ulrike Flach, auch sie Mitglied der Fraktion, sprach etwas weniger - aber gegen beide zusammen sprach, dass sie für ihr neues Amt keinen Platz in der Parteispitze räumen müssten, den wiederum Jürgen Möllemann gerne hätte.