Beinahe könnte es scheinen, als seien diese beiden Bücher gemacht, um die skandalöse Vernachlässigung des Faches Kunst in den meisten Schulen zu kompensieren - und die Neugier damit gleich in den ersten (Schul-) Jahren herauszufordern, zum genauen Hingucken zu verführen, die Lust der Augen zu wecken, so wie Angela Wenzel es unter dem Titel Die Kunst der Illusion tut und mit dem Ausruf lockt: "Ich sehe was, was du nicht siehst!"

Und was sieht sie da? Etwas, das aussieht wie eine Ansammlung von realem Alltagskram und doch gemalt ist - so wie das Bild gegenüber von Pablo Picasso, wie täuschend echt es auch wirkt. Und da ist Veroneses junges Mädchen, das aus dem Türrahmen blickt, oder Tiepolos zum Greifen plastische Figuren, die sich aber an der Decke der Würzburger Residenz tummeln.

Und so weiter: Man lässt sich in Maurits Cornelis Eschers perspektivischen Raumrätseln in die Irre führen, wird mit dem Raffinement optischer Täuschungen bekannt gemacht, lernt, versteckten Botschaften in den Bildern alter Meister auf die Spur zu kommen, verschlüsselte Bilder in Bildern wie dem Endlosen Rätsel von Salvador Dalø zu finden, Farben zu sehen, die gar nicht da sind. Nur wäre der Autorin hier und da eine strengere Lektorin zu wünschen gewesen, die den mitunter leicht unklaren Ausdruck redigiert hätte, auch wenn dies dem sympathischen Einfall zu diesem Buch nichts nimmt.

Im anderen Buch machen Peter O. Krückmann und die Illustratorin Annette Roeder einen Besuch in Neuschwanstein und nehmen ihre Leser nicht nur mit in die traumhafte bayerische Landschaft, sondern auch mitten ins Schloss hinein, öffnen für sie alle Etagen, Säle, Zimmer und zeigen, wie das malerische Gebäude im Inneren gegliedert, wie es ausgestattet ist und wie es ursprünglich hatte funktionieren sollen.

Das ist in einer angenehm einfachen, mit Kindern nicht kokettierenden Sprache erzählt. Welcher junge Leser (oder Zuhörer) merkt da schon, dass er sich auf einem Architekturlehrpfad befindet. Und eines Tages, so möchte man hoffen, wird der Verlag die Kinder auch in andere als triefend romantische Märchenhäuser mitnehmen: in Häuser von heute, zum Beispiel ins Parlament oder ins Bundeskanzleramt.

* Die Kunst der Illusion

Angela Wenzel (Text)