Willi Sitte, den man im Germanischen Nationalmuseum zu Nürnberg nicht wie versprochen ausstellen mag, zeigt nun in Berlin einige neuere Bilder. Es ist eine Trotz- und Protestausstellung, zu sehen in der Lichtenberger Galerie eines Vereins namens "GBM". Im Katalog (k)einer Ausstellung, der zu der Minischau erscheint, fehlen natürlich die kritischen Töne zu Sittes Wirken als DDR-Funktionär. Und nebenbei wird auch noch der Direktor des Nationalmuseums anhand zweier Briefe eines Wortbruchs überführt: Im Januar 2001 bestritt er, die Ausstellung zu Sittes 80. Geburtstag geplant zu haben bereits 1997 aber hatte er dem Künstler ebendies schriftlich in Aussicht gestellt. Sitte, der janusköpfige Künstler, bleibt nun also den Betonköpfen der "Gesellschaft für Bürgerrecht und Menschenwürde" reserviert - einem muffigen Milieu staatsnaher Vereinigungsverlierer, in dem heute noch der Schießbefehl an der Mauer verteidigt wird. Mancher Kritiker des Nürnberger Vorhabens mag sich dadurch bestätigt sehen. Es ist aber wohl eher traurig für den Zustand der liberalen Öffentlichkeit hierzulande, dass man nun ausgerechnet solchen Leuten eine ästhetisch und politisch interessante Figur wie Sitte überlassen hat.