In der ZEIT 15/2001 schilderten Thomas Kleine-Brockhoff und Bruno Schirra die Justizposse um das Verschwinden von Regierungsakten im Herbst 1998. Die zuständige Staatsanwaltschaft Bonn hatte es mit fadenscheinigen Argumenten unterlassen, im Kanzleramt zu ermitteln. Der Rechtsanwalt Torsten Kugler aus dem hessischen Lampertheim hat nun Anzeige gegen die beiden verantwortlichen Staatsanwälte erstattet. Er wirft ihnen unter anderem Strafvereitelung im Amt vor. Die Staatsanwaltschaft sei von Amts wegen gehalten gewesen, "vollständig und umfassend zu ermitteln", so Kugler. Bereits durch die "Nichtbearbeitung von Ermittlungsakten" hätten sich die Staatsanwälte schuldig gemacht. Kugler beruft sich in seiner Anzeige auf Informationen der ZEIT, nach denen die Bonner Staatsanwälte wegen des wundersamen Aktenschwunds keinen einzigen Zeugen befragt haben.

Athos für alle!

Der aufmerksame ZEIT-Leser weiß: Auf dem weiträumigen Gelände der griechischen Mönchsrepublik Athos sind und bleiben Männer unter sich. 330 Quadratkilometer auf klassischem EU-Territorium, also im Geltungsbereich der Europäischen Menschenrechtskonvention, sind schlechthin verboten für Frauen.

Einfach so, und das seit anno 1045 (ZEIT Nr. 16/01). Ist das eigentlich in Ordnung, heute, im 3. Jahrtausend? Offenkundig wagte bisher niemand, an der orthodoxen Mönchsbastion zu rütteln, auch nicht die Linksregierung in Griechenland. Nun aber rührt man - wo sonst? - in Brüssel an das Tabu. In einer Resolutionsempfehlung an das Europäische Parlament zum Thema "Frauen und Fundamentalismus" formuliert der zuständige Ausschuss eine erste, noch etwas leise Warnung an die heiligen Herren von Athos: Das Parlament unterstütze den Kampf gegen jede Bewegung, die Frauen vom sozialen, wirtschaftlichen und politischen Leben sowie "vom Zugang zu bestimmten geografischen Regionen auf dem Planeten" ausschließe. Das ist etwas unspezifisch formuliert, um nicht zu sagen: unscharf. Oder entschärft. Aber da der Text von der griechischen Sozialdemokratin Anna Karamanou verfasst wurde, steht außer Zweifel, welches Terrain "auf dem Planeten" gemeint ist.

Zumal die streitbare Dame entschlossen ist, eine Mönchsdelegation offiziell nach Brüssel einzuladen - zum Gedankenaustausch über die Kollision von Männer- und Menschenrechten.