Die gute Nachricht aus Russland in dieser Woche: Eigentümern wird derzeit zu ihrem Recht verholfen. Die schlechte Nachricht: Die Eigentümer tun sich schwer mit unabhängigen Journalisten. In einer Polizeiaktion am frühen Ostersamstag ließ der Konzern Gasprom den Sender NTW erobern - mit dem Segen des Kreml. Alle Journalisten, die eine vorformulierte Ergebenheitserklärung nicht unterzeichneten, durften ihre Sachen packen.

Gasprom hat seine Anteile von 46 Prozent kreativ zur Aktienmehrheit hochgerechnet. Wladimir Gussinskij, der vom Moskauer Staatsanwalt verfolgte bisherige Besitzer, kann der Zerstörung seines Medienimperiums aus dem spanischen Exil nur zusehen. Als nächste Dominosteine sind nun die Tageszeitung Segodnja und das Nachrichtenmagazin Itogi gefallen. Ein Gasprom-höriger Manager des Verlagshauses hat den Vertrieb der unabhängigen Blätter vorläufig eingestellt. Ein frisch eingekauftes neues Journalistenteam läuft sich bereits warm.

Unerfahrene Mannschaften, Prestigeverlust: Ist das noch rentabel für einen profitorientierten Konzern? Wie gut, dass Gasprom halb staatlich ist. Der Kreml wird seinen loyalen Managern die wirtschaftlichen Verluste schon ausgleichen, wenn nur der politische Gewinn hoch genug ausfällt. M.T.